„Ja, ja, erst Kaffee trinken, aber sieh’ mal hier hinaus, Lene!“ schrie der Bruder aufgeregt.

„Ist es auch warm genug hier, und wieviel Kopfkissen will Fräulein haben?“ fragte Dorothee.

Und so ging es eine Weile fort, und dazwischen lachte Helene, umarmte den Bruder, umarmte die alte Magd und rief: „Ich freue mich ja so, ich freue mich ja so sehr!“

Und über dem Zeigen und Bewundern, Freuen, Kaffeetrinken und Treppauf-, Treppablaufen kam der Abend heran, die Geschwister saßen zusammen und erzählten sich von der Zeit, in der sie sich nicht gesehen hatten; da sagte auf einmal Helene: „Ich muß Dorothee fragen, warum Brigittchen keine Weihnachtsaugen hatte“.

Nun, das wußte die alte Magd freilich. Sie erzählte, daß Brigittchens Mutter vor fünf Jahren etliche Wochen vor Weihnachten gestorben sei, seitdem würde wohl das Fest im Hause gefeiert, der Hausherr kümmere sich aber nicht viel darum; Fräulein Mathilde besuche meist ein paar Freundinnen, und so sei die Kleine gewöhnlich allein. „Was nützen ihr da die vielen prächtigen Geschenke,“ sagte die Alte, „Mitfreude und Liebe braucht so ein Kind, und daran fehlt es halt.“

„Mitfreude und Liebe brauchen auch große Menschen,“ rief Helene Fröhlich, „wir wollen Weihnachten zusammenfeiern, Theo, aber auch andere nicht vergessen. Wissen Sie nicht ein paar arme Familien, Dorothee, denen wir bescheren können?“

Die Alte lachte über das ganze Gesicht, sie sah aus wie das reine Behagen, so gefiel es ihr, und sie wußte gleich etliche Leute zu nennen, bei denen die Weihnachtsfreude wohl angebracht war.

„Morgen kaufen wir zusammen ein,“ sagte Doktor Fröhlich, „und Weihnachtsbäume müssen wir schmücken, na, wir können uns tummeln, um fertig zu werden“.

So viel fröhliche Lust hatte das alte Haus lange nicht gesehen, wie in diesen Tagen. Mitten in aller Geschäftigkeit dachte Helene Fröhlich aber doch an Brigittchens traurige Augen, und wie sie dem armen, reichen Kinde zur rechten Weihnachtsfreude helfen könnte. „Ich möchte sie zu unseren Armen mitnehmen, ob sie wohl darf?“ fragte sie die alte Dorothee.

„Ei, da gehe ich halt einfach hinüber und frage,“ erwiderte diese.