Auf einmal sah die kleine Sängerin ihren Vater, da unterbrach sie verlegen ihren Gesang. „Wie schade!“ sagten die Mägde an der Türe. Herr Schön aber ging rasch auf sein kleines Mädchen zu, nahm es auf den Arm und bat: „Sing noch ein Lied, mein Kind, es gefällt mir so!“
Ei wie gern sang da Brigittchen, sie sang alle Lieder, die sie kannte, und zuletzt sangen die Mägde mit und der Gesang rauschte durch das Haus, daß es ein richtiges, frohes Weihnachtshaus wurde.
Noch immer brannten die Lichter am Baum und Herr Schön sagte, sie sollten auch brennen bleiben, er wollte mit seinem Kind unterm Weihnachtsbaum zusammen Abendbrot essen.
Das wurde ein fröhliches Mahl, sämtliche Puppen durften dabei sitzen, große und kleine, alte und neue. Vater und Kind schmausten munter zusammen und dabei erzählte Brigittchen von den Geschwistern Fröhlich gegenüber am Kirchplatz, von der Weihnachtswanderung und von Jantge im Gertrudenspital. Sie erzählte auch, was Fräulein Helene von den Weihnachtsaugen gesagt hatte. „Hab’ ich auch noch welche, Väterchen?“ fragte die Kleine besorgt, denn sie hatte Angst, sie könnte die Weihnachtsaugen verloren haben, und darüber wäre Fräulein Helene gewiß traurig gewesen.
„Freilich hast du sie noch,“ sagte Herr Schön. Er sah tief in die strahlenden Veilchenaugen seines Kindes, und er dachte, das fremde Fräulein müßte doch sehr lieb und gut sein, das seinem Kinde zu diesen leuchtenden Weihnachtsaugen verholfen hatte.
Und dann saß Brigittchen auf ihres Vaters Knieen, sie schmiegte ihr Köpfchen an seine Brust und leise vertraute sie ihm einen großen Herzenswunsch an. Sie wollte einen Teil ihrer neuen Spielsachen der kleinen Jantge im Gertrudenspital schenken. „Darf ich, Väterchen?“ bat sie.
„Ja, du darfst, mein Kind, und weißt du was, morgen gehen wir miteinander zu Fröhlichs hinüber und dann bittest du Fräulein Helene, daß sie mit dir zu Jantge geht!“
Das war ein schöner Feiertagsplan. Brigittchen jubelte laut und dann schwatzte sie noch ein Weilchen mit ihrem Vater, fragte, welche Puppe sie nehmen sollte und welches Buch, bis auf einmal der Sandmann kam, und die strahlenden Weihnachtsaugen sich schlossen. —
Am nächsten Vormittag ging Herr Schön mit Brigittchen wirklich zu den Geschwistern hinüber, und Vater und Kind wurden mit herzlicher Freude empfangen. Fräulein Helene war auch gleich bereit, mit Brigittchen am Nachmittag zu Jantge zu gehen, ja, sie kam auch mit hinüber, sah sich Brigittchens Bescherung an und half für Jantge aussuchen. Eine Puppe, ein Buch, ein zierliches Arbeitskörbchen und noch allerlei hübsche Sachen aus Marzipan und Schokolade.
Gleich nach dem Mittagessen, diesmal noch am lichten Tag, traten Fräulein Helene und Brigittchen ihre Wanderung an. Der Schnee knirschte unter ihren Tritten, denn es war bitterkalt geworden, aber den beiden war es so froh und warm ums Herz, daß sie nicht viel von der Kälte spürten.