Ein Fastnachtsspiel.

Die alte Dorothee pflegte von Klaus Hippel zu sagen: „Ein Kindskopf ist er und bleibt er, so alt wie er ist, und nichts als Flausen hat er im Sinn“.

Das stimmte und stimmte auch wieder nicht. Klaus Hippel konnte, wenn es darauf ankam, so ernsthaft und verständig wie ein Bürgermeister sein, freilich war er auch wieder ein lustiger Geselle, und wenn ihn die Sorgen nicht allzusehr drückten, dann war er heiter und guter Dinge.

Seine größte Lust war in alten Büchern zu lesen, und Märchen und Sagen wußte er mehr, als in zwanzig Kinderbüchern stehen. Und wenn Klaus Hippel erzählte, dann war es immer, als sei er just dabei gewesen, als sei er mit Held Roland durch das Tal von Ronceval geritten, oder wäre selbst allen schönen Frauen und Rittern im Zauberwalde irgendwo begegnet. Besonderen Spaß machte es ihm auch, wenn sich die Leute zu Scherz und Kurzweil verkleideten; als daher Jörgel eines Tages sagte: „Vater Klaus, können wir bei dir nicht einmal Fastnacht feiern?“ da war er gleich mit Freuden dazu bereit.

Bald nach Weihnachten hatte Jörgel das gesagt, und von dem Tage an sprachen die Kinder immer mit heimlicher Lust von dem Fastnachtsspiel bei Klaus Hippel. Der Pantoffelmacher hatte sich nämlich vorgenommen, selbst ein wundervolles Ritterstück zu schreiben; darin kamen zwei Ritter, eine Prinzessin, ihre Hofdamen und ein böser Zauberer vor. Severin und Wendelin sollten die Ritter spielen, Jörgel den Zauberer, Brigittchen war die Prinzessin und Anne-Marte und Jantge ihre Hofdamen. (Jantge war von den fünf Schatzgräbern rasch als Freundin angenommen worden, und sie durfte natürlich auch beim Fastnachtsspiel nicht fehlen.) Die Prinzessin brauchte nichts weiter zu tun als immer „Ach und Weh“ zu seufzen, nur am Schluß mußte sie rufen:

„Teurer Ritter, du hast mich befreit,

Ich danke dir in aller Ewigkeit!“