Die Fremden kletterten die Treppen hinauf und oben zeigte ihnen Mutter Paulinchen die Schätze; Severin und Wendelin waren hinterher getrappt, sie stellten Helme und Schwerter fein säuberlich an ihren Platz.

„Hier geht es aber gemütlich zu, die richtige Kleinstadt,“ flüsterte die Dame lachend einem ihrer Begleiter zu.

„Siehst du,“ sagte der verdrossen, „ich sagte es doch gleich, es lohnt sich nicht, hier erst auszusteigen, was hat man denn in so einem Nest?“

„Ist der Kram alles, was in dem Museum ist?“ fragte der andere Herr.

„Ja,“ murmelte Mutter Paulinchen verlegen, sie merkte wohl, wie klein und lächerlich die Fremden alles fanden, und so wies sie nicht, wie sie es sonst tat, auf die reizvolle Aussicht hin, die man vom Turm aus hatte. Und doch war die Landschaft, die draußen von silbergrauem Dunst matt verschleiert lag, unendlich lieblich.

„Nebenbei benutzen Sie wohl die Sachen zu Ihren Fastnachtsspielen?“ fragte der jüngere der Herren spöttisch.

Frau Paulinchen schwieg, aber das Herz tat ihr weh, daß die Fremden das Museum, das ihr Stolz war, so geringschätzig behandelten. Und es gab doch mancherlei zu sehen, was der Mühe lohnte, das wußte sie.

Es hatte mancher Besucher schon anerkannt. „Man findet selten so ein schönes Stückchen Vergangenheit so wohl erhalten,“ hatte einmal ein sehr berühmter Gelehrter gesagt. Der junge Herr schrieb dabei immerzu in sein Notizbuch, er sah sich aber garnicht um, nur auf die alten, schöngeschnitzten Möbel warf er einen flüchtigen Blick. „Ganz passabel,“ murmelte er.

Als die Pantoffelmacherin von der ruhmreichen Vergangenheit der Stadt erzählen wollte, unterbrach sie der ältere Herr: „Lassen Sie nur, gute Frau, wer weiß, ob das geschichtlich verbürgte Tatsachen sind, solche kleinen Nester, wie Ihre Stadt, brüsten sich gern mit ihrer Vergangenheit. Ich denke,“ wandte er sich an seine Begleiter, „wir gehen jetzt, wir haben genug von Neustadt’s Reizen gesehen!“

Damit gingen die drei. Das Trinkgeld war so reichlich wie selten, und doch hatte Frau Paulinchen wenig Freude dran. Manche bescheidene Gabe hatte ihr mehr Freude gemacht, wenn nämlich der Geber in hellem Entzücken die Rundsicht vom Turme genossen hatte.