Durch der Schneekönigin Reich.
Ein Wintermärchen.

Die Kinder sprachen schon vom Frühling wie von etwas, das ganz, ganz nahe war.

Doch der Winter war anderer Meinung, er fand, es sei noch nicht Zeit für den Frühling zu kommen. Schwipp, schwapp war er eines Tages wieder da, mit Schneegestöber, Nordwind und Kälte. Im Nu war das Land wieder weiß und still und die Schneeglöckchen, die schon die allergrößte Lust gezeigt hatten, sich in der Welt umzusehen, krochen flugs in ihr braunes Erdbettlein zurück, unten erzählten sie den andern Blumen und Gräsern: „Brrr, oben ist es schrecklich, wir begreifen gar nicht, wie es nur die Menschen aushalten können!“

Na, so schlimm war es nun doch nicht, die Kälte reichte nicht einmal recht zum Naseerfrieren. Aber schelten taten die Menschen doch, sie hatten sich schon zu sehr auf den Frühling gefreut.

Auch in Neustadt gab es wieder Schneegestöber, und die fünf Schatzgräber und Jantge, die schon davon gesprochen hatten, daß sie die Kreisel drehen wollten und an der Stadtmauer Veilchen suchen, standen eines Tages recht mißmutig vor dem Schön’schen Hause und schalten auf den Winter. Ein bißchen undankbar war das ja nun, denn als der Winter einzog, hatten sie ihn beinahe nicht erwarten können und den ersten Schnee hatten sie mit Jubel begrüßt.

Es war Sonnabend Nachmittag, und die sechs Kameraden hätten gern irgend etwas Lustiges unternommen. Aber Brigittchen durfte nicht Schlitten fahren, weil der Wind so sehr wehte, zu Klaus Hippel konnten die Kinder auch nicht gehen, denn der war an diesem Tage über Land gefahren.

„Wir wollen zu Fräulein Helene und zum Herrn Doktor gehen,“ schlug Wendelin vor.

„Uneingeladen?“ fragte Anne-Marte ein wenig zaghaft, „geht das denn? Mutter hat gesagt, wir dürften nicht uneingeladen überall hingehen, es schickt sich nicht!“

„Brigittchen geht erst und fragt, ob uns Fräulein Helene nicht einladen will,“ sagte Jörgel.

Brigittchen war damit einverstanden; zu Fräulein Helene gehen, war für sie etwas Wundervolles. Sie lief auch flugs über den Kirchplatz und kehrte schon nach wenigen Minuten mit dem Freudenrufe zurück: „Wir sind eingeladen!“ Geschwind liefen die Doktorskinder und die Bäckerbuben zu ihren Müttern und verkündeten diesen die Neuigkeit: „Wir sind zu Fröhlichs eingeladen, dürfen wir gehen?“