Vor einem schneeweißen Bettchen, das an der einen Seite der Stube stand, saß ein alter Mann, in dem Bett aber lag ihr Kind, das schlief fest und es hatte blühende Wangen und sah so frisch und gesund aus wie ein Äpfelchen.

„Mein Kind lebt,“ jubelte die Mutter, „Gott sei gedankt, es wird gesund!“

„Ja, freilich wird es gesund,“ sagte der alte Mann, der der berühmte Arzt war, „und weißt du, was das Heilmittel war, das ihm geholfen hat?“

„Wie soll ich das wissen,“ sagte die arme Witwe, „ich bin doch nicht weise und gelehrt!“

Der Arzt lächelte: „Und du hast doch das Mittel selbst angewandt: Mutterliebe und Muttertränen haben dein Kind gesund gemacht!“

In diesem Augenblick schlug der Kleine seine Augen auf. Als er seine Mutter sah, streckte er jauchzend seine Ärmchen nach ihr aus: „Mutter!“ rief er, „ich habe von einer wunderschönen Königin geträumt, das war fein! Ach, und so schön hat sie gesungen! Hör’ das Lied, ich kann es noch.“ Er sang mit feinem Stimmchen das Lied, und der Arzt sagte: „Dein Sohn, Frau, wird einst sehr berühmt werden; wenn einer das Lied der Schneekönigin behält, dann wird er viel Ruhm und Glück im Leben gewinnen.“

„Möge er gut werden, das ist die Hauptsache,“ sagte die Mutter innig.

Bis der Frühling kam, blieb die Witwe im Hause des Arztes, dann kehrte sie mit ihrem gesunden Kind in die Heimat zurück. Diesmal war es wundervoll durch den Wald zu gehen, den die Schneekönigin längst, grollend über des Frühlings Sieg, verlassen hatte.

Und aus dem kleinen Jungen der armen Witwe wurde später ein hochberühmter Künstler. Wohin er auch mit seiner Geige kam und spielte, überall jubelten ihm die Menschen entgegen; das schönste Lied aber, das er spielte, war das Lied, das ihm einst die Schneekönigin mit ihren weißen Fräuleins vorgesungen hatte.

Seiner Mutter, die er liebte, wie nur ein guter Sohn seine Mutter lieben kann, baute er ein schönes Haus, das in einem wundervollen Garten lag. Er selbst heiratete dann eine Gräfin und alle zusammen lebten in dem schönen Haus glücklich und zufrieden, und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie heute noch. —