„Aus ist die Geschichte,“ sagte Fräulein Helene mit ihrer lieben, warmen Stimme. Sie nahm Brigittchen auf den Arm und sah der Kleinen in die Veilchenaugen, die auf einmal so traurig aussahen. „Was fehlt dir, mein Liebling?“
„Wenn ich doch eine Mutter hätte,“ flüsterte die Kleine betrübt. Niemand hörte das, denn die anderen Kinder beredeten die Geschichte laut und ausführlich, nur Jantge sah still drein und Fräulein Helene sagte: „Sei dankbar, Brigittchen, für das, was du hast; sieh, Jantge hat nicht einmal einen Vater.“
Da wurde Brigittchen still, nachher ging sie zu Jantge hin und war so liebevoll zu der kleinen Freundin, daß Severin beinahe eifersüchtig wurde, und er gab sich erst zufrieden, als er beim Heimweg zwischen Jantge und Brigittchen gehen durfte.
„Es war doch fein, daß uns Fräulein Helene eingeladen hat,“ sagten die Kinder, als sie heimgingen.
„Das Schönste war doch die Geschichte,“ rief Brigittchen.
Die andern stimmten ihr zu, nur Severin war sich noch nicht klar, ob die Schokolade, das Spielen oder die Geschichte am schönsten gewesen sei, und am liebsten hätte er sich zu morgen gleich wieder einladen lassen, um darüber zu entscheiden.
Aber das gab es nicht, dafür aber gab es Tauwetter und der Schnee lief so geschwind vor der Sonne von dannen, daß sämtliche Schneemänner im Städtchen umpurzelten. Und von den Dächern rannte der Schnee herunter, eins, zwei, drei, klatsch, da lag er unten auf der Straße, wurde schmutzig, wurde zu Wasser, und weg war er. Auf den Dächern aber saßen die Vögel und zwitscherten und piepten und wenn einer ganz genau hinhörte, dann verstand er, was die Vögel riefen, nichts anderes als: „Es wird Frühling, es wird Frühling!“