„So, Unsinn? Herr Naseweis und Grünschnabel!“ schrie der kleine Pantoffelmacher geärgert. „Dann glaubst du auch wohl nicht, daß Osterwasser eine besondere Kraft hat?“
„Ich weiß nicht,“ murmelte Jörgel etwas verlegen, er wußte nämlich gar nichts vom Osterwasser.
„Was ist denn Osterwasser, wo gibt es denn das?“ fragte seine Schwester Anne-Marte, der schon wieder das Kichern in den Wangengrübchen saß.
Meister Hippel guckte über seine Brille weg die Kinder forschend an, er machte ein Gesicht, daß niemand wußte, ob er ernst oder spaßhaft gesinnt war. „Na, paßt auf,“ sagte er, „Osterwasser nennt man Wasser, das Kinder, Jünglinge oder Jungfrauen am Ostermorgen gerade vor Sonnenaufgang aus einer Quelle schöpfen. Es ist aber nicht so einfach, Osterwasser zu holen, man darf kein Wort dabei sprechen, überhaupt nicht lachen, nicht weinen, schweigend muß man das Wasser holen und auf dem Heimweg darf man beileibe keinen einzigen Tropfen vergießen, auch darf die Sonne nicht in den Krug scheinen, und vorher darf es niemand wissen, der nicht mitgeht.“
„Das ist aber schwer,“ flüsterte Jantge mit einem kleinen Seufzer.
„Na, freilich ist’s schwer,“ brummte der Meister, „für nichts ist nichts. Das Osterwasser hat aber auch seine besondere Kraft. Es macht den Menschen schön, verleiht ihm Gesundheit und Reichtum. Ja, guckt mich nur an, ich bin auch mal Osterwasser holen gegangen, und es hätte sicher viel Glück gebracht. Ich habe auch kein Wort dabei gesprochen und es vorher niemand gesagt und meinen vollen Krug sorgsam nach Hause getragen, und wie ich die Treppe hinaufgehen will, kommt mir Muxel, unser schwarzer Kater entgegengelaufen, ich stolpere, falle, und weg war mein Osterwasser. Das nächste Jahr war ich krank, dann habe ich es verschlafen, dann habe ich geheiratet, und so bin ich nie zu Osterwasser gekommen!“
„Wie schade!“ rief Brigittchen mitleidig.
Jörgel lachte, er glaubte nicht recht an das Osterwasser, aber Wendelin und Severin warfen sich verständnisvolle Blicke zu, sie glaubten fest daran, denn Heine, der kluge Heine, hatte auch davon erzählt.
Nachher auf dem Heimweg sagte Wendelin auf einmal: „Wir könnten doch alle miteinander Osterwasser holen gehen, es wäre doch fein!“
„Ach ja,“ riefen die drei Mädels wie aus einem Munde.