Hinter ihnen her aber kam der Mann; sie hörten ihn rufen. Einmal sagte Brigittchen: „Er schreit, wir sollen stehen bleiben, er will uns was sagen,“ aber auch sie lief mit den Gefährten weiter und immer weiter.

Sie hörten den Mann schelten. „Potzwetter, steht doch still, ihr Rangen, hört doch, hööört!“

Und toller und toller nur rannten sie.

Aber da war der alte Turm, nun kam das Gertrudenspital, husch war Jantge drin, kaum daß Brigittchen und Anne-Marte einen flüchtigen Händedruck erhielten, und weiter ging die wilde Jagd. Durch die bekannten Gäßlein liefen die Kinder und meinten, hinter sich schnelle Schritte zu vernehmen, die sie verfolgten. Manch’ Fenster öffnete sich, und etliche Frühaufsteher schauten den Kindern nach und brummten wohl: „Ja, was soll denn das bedeuten, was haben die denn wieder angestiftet?“

Auf dem Kirchplatz machten sie endlich alle Halt, keuchend, pustend und trotzig schauten sie sich um: Nun mochte der Verfolger kommen! Doch — der war nicht zu sehen. Statt dessen guckte Frau Meister Gutgesell zum Laden heraus; sie war soeben damit fertig geworden, die Semmeln einzuzählen für ihre Kunden und war einmal vor die Türe getreten, um Luft zu schöpfen, da sah sie ihre Buben und erkannte auch die andern Kinder. Sie ahnte gleich einen dummen Streich und rief die fünf zu sich. Ein wenig kleinlaut kamen diese an und erzählten, sie hätten Osterwasser holen wollen.

„Aber Kinder!“ die Meisterin schüttelte mit dem Kopf, „auf was für närrische Einfälle ihr aber auch immer kommt. Gesund seid ihr, satt zu essen und mehr habt ihr, und jung seid ihr auch, was sollte euch denn das Osterwasser, wenn es nämlich wirklich etwas nützte?“

„Es soll schön machen,“ sagte Anne-Marte keck.

„Ei, du Grasaffe, du!“ rief die Meisterin, „sei froh, daß du gerade und ordentlich gewachsen bist, gut sehen und gut hören kannst, gib dir nur Mühe, immer brav zu sein, was brauchst du da noch Schönheit. Und nun marsch ins Bett; gut war es noch, daß ihr ordentlich zurückgerannt seid, da wird euch das Wasser hoffentlich nichts geschadet haben!“

„Ich habe Hunger,“ murmelte Wendelin bedrückt.

„Dann nimm dir eine Semmel und dann flott ins Bett, Festkuchen gibt es jetzt noch nicht,“ erwiderte die Mutter, die schon wußte, warum ihr Bube Hunger hatte.