„Da kommt er,“ flüsterte Brigittchen ängstlich.
Über den Kirchplatz her kam ein Mann, kein Zweifel, es war der Verfolger.
„Das ist aber frech!“ tuschelte Wendelin.
Der Mann sah aber weder frech noch böse aus, ganz behaglich kam er näher und rief: „Nee, Frau Meisterin, ist das aber eine dumme Gesellschaft, die Kinder! Da will ich mir den Weg sparen und Ihren Buben sagen, daß Sie mir zu heute Nachmittag noch etliche Kuchen schicken sollen, weil ich denke, es werden Gäste kommen, ja, prost Mahlzeit. Die Bengels sind davongelaufen wie das richtige, schlechte Gewissen. Ihr da, was habt ihr denn miteinander angestiftet?“
Die Kinder sahen sich verdutzt an; der Mann, das war nämlich Herr Hinze, der Besitzer einer Gartenwirtschaft, die nicht weit von der Bonifaziusquelle lag, sie alle waren schon oft dort gewesen.
„Osterwasser wollten sie holen,“ sagte die Meisterin, und sie erzählte Herrn Hinze von dem verunglückten Ausflug. Der lachte so dröhnend, das hallte über den ganzen Kirchplatz hin, und ein wenig beschämt gingen die Kinder heim. Sie krochen noch einmal in ihre Federnester, freilich ohne Schelte ob des heimlichen Fortlaufens ging es nicht ab. Aber dann schliefen sie, trotzdem das Städtchen schon im vollen Sonnenglanz lag, noch einmal ein, schliefen, bis die Glocken von St. Marien und St. Johannis über die Stadt hinhallten. Da erwachten sie mit dem seligen Gefühl: es ist Feiertag, es sind Ferien.
Und Severin brummte, als seine Mutter ihn endlich weckte: „Sie hat doch getanzt, ich hab’s gesehen!“
Dabei blieb er, und er hatte den Triumph, daß Heine ihm glaubte und sagte: „Hättet ihr mich mitgenommen, dann wäre die Sache gescheit geworden!“ Na, wer weiß!