Die Kinder jauchzten, die Erwachsenen lachten, und als ein Mann mit einem Zahlteller kam, rannten die Kinder, als hörten sie die Schulglocke läuten.
Vor einer Schaubude stand ein Mann und rief: „Nur immer hereinspaziert, meine Herrschaften, das größte Wunder der Welt ist hier zu sehen!“ Und vor einem Leinenzelt saßen rote und blaue Papageien auf einer kleinen Schaukel; einer schrie krächzend: „Lora, schöne Lora, will Zucker haben!“
Peter und Liesel rissen Mund und Augen auf, was gab es nur alles zu sehen. Doch Liesel konnte sich gar nicht recht freuen. Sie dachte immer: wäre doch Mütterchen bei mir!
„Erst wollen wir für meinen Groschen Karussell fahren,“ sagte Peter, „dann kaufen wir uns für deinen Groschen etwas Schönes zu essen. Zeig’ mal her, ist es wirklich Gold? Dann können wir nämlich schrecklich viel kaufen!“
Aber Liesel hielt ihr Beutelchen ängstlich fest und sagte schüchtern:
„Fahr’ du allein, ich fürchte mich.“
Peterle ließ sich das nicht zweimal sagen; hopps war er oben, kletterte auf ein Pferd und dideldideldei, dideldideldumdum ging die Fahrt los. Liese sah einige Minuten zu; weil aber gar so viele Menschen um sie herum standen, ging sie ein paar Schritte weiter.
„Hier herein, kleines Fräulein,“ rief eine schnarrende Stimme, und eine große, dicke Frau, die vor einer Bude stand, faßte sie am Arm und schrie: „Hast du Geld, dann darfst du rein!“
Liesel wich erschrocken zurück. Da lachten ein paar Buben laut auf, einer faßte sie an ihren blonden Zöpfen und schrie: „Hüh, hott, Pferdchen, lauf!“ „Peter, Peter,“ jammerte Liese; aber Peterle fuhr lustig auf dem Karussell, und je ängstlicher die Kleine rief, je ausgelassener umtobten die wilden Buben sie. Plötzlich kam ein Mann daher geritten, ganz bunt angezogen, der kündigte an, daß abends Vorstellung im Zirkus sei; da liefen die Buben hinterher und ließen Liesel gehen. Die Kleine wollte zu Peter zurückkehren, als sie neben sich einen alten Mann erblickte, auf dessen Schulter ein kleiner Affe saß, der lauter tolle Sprünge machte und Grimassen schnitt. Das sah lustig aus; Liesel blieb stehen und sah dem Äffchen zu. Dessen Herr hielt einen schmutzigen, abgetragenen Hut in der Hand und sah jeden, der an ihm vorüberging, bittend an; aber niemand achtete auf ihn. Da seufzte der alte Mann tief, und Tränen rannen ihm in den weißen Bart. Liesel sah das und fragte mitleidig: „Fehlt dir etwas, alter Mann?“
„Ich habe Hunger, Kind,“ sagte der traurig, „und ich bin so arm, daß ich mir nichts zu essen kaufen kann.“