Liesel hatte still zugehört; wie traurig das alles klang! Plötzlich sprang sie auf, lief auf die Mutter zu und flüsterte bittend: „Muttchen, ich habe doch noch zwei goldene Groschen in meiner Sparbüchse; darf ich die dem armen alten Mann geben?“

Ja, das durfte Liesel, und der Alte rief dankbar: „Ach, nun kann ich mir einen neuen Leierkasten kaufen; dann hat alle Not ein Ende! Gleich heute kann ich noch auf dem Jahrmarkt spielen.“

„Ich geh aber nie mehr allein hin,“ rief Liesel und schmiegte sich an die Mutter an.

„Nein, tu das lieber nicht,“ sagte Hartmann. „Diesmal ist es gut ausgegangen; aber manchmal kommt aus Heimlichkeiten auch etwas Schlimmes heraus. Übermorgen will ich zu dir kommen und dir etwas vorspielen; soll ich?“

„Ach ja, und Jolly kommt auch mit, und dann tanzt er,“ rief Liesel vergnügt; „aber wo ist denn Jolly?“

Der saß gemütlich unter dem Tisch und fraß Zucker, denn die Zuckerbüchse war auf die Erde gefallen, als Liesel sich so schnell unter den Tisch geflüchtet hatte. Sein Herr holte ihn wieder hervor; dann nahmen beide Abschied, und Liesel durfte sie noch bis zur Tür begleiten.

Eilig lief die Kleine nachher in den Garten, um Peterle alles zu erzählen. Der saß unter einem dicken Fliederbusch am Gartenzaun und sah verweint und verdrossen aus. Erst brummte er und wollte nicht antworten, als Liesel nach seinen Erlebnissen fragte; dann aber erzählte er niedergeschlagen, wie es ihm ergangen war. Er war dreimal hintereinander Karussell gefahren; so oft durfte er für seinen Groschen. Da war es ihm auf einmal ganz schwindelig geworden und plumps war er von seinem braunen Pferd heruntergefallen. Er hatte sich die Hosen zerrissen, ein Knie und die Nase blutig geschlagen; daheim hatte er noch Schelte bekommen, und heute durfte er nicht mit Mutter und Geschwistern auf den Jahrmarkt gehen.

„Du bist dran schuld!“ schrie er wütend seine kleine Gefährtin an; „warum bist du nicht mit auf dem Karussell gefahren und warum bist du überhaupt mit deinem goldenen Groschen weggelaufen; nicht einmal Schmalzkuchen habe ich essen können!“

Als Liesel ihm von dem armen, alten Hartmann erzählte, schämte sich Peter freilich. Das wollte er aber nicht zeigen, darum brummte er ärgerlich: „Ach was, das war dumm, daß du dein Goldstück verschenkt hast. Überhaupt der ganze Jahrmarkt ist dumm; ich mag gar nicht mehr hingehen, alles ist dumm![**“::SILENT] Schwapps lief er weg, und Liesel sah ihm traurig nach; ach, so böse war das Peterle noch nie gewesen!

Am Nachmittag saß der Peter, der gar nicht auf den Jahrmarkt gehen wollte, bitterlich weinend im Garten, weil die Mutter ihn wirklich nicht mitgenommen hatte.