Aber das Peterle war doch nicht so böse, wie es den Anschein hatte. Abends bat der Bube seine Eltern um Verzeihung, und als am übernächsten Tag der alte Hartmann kam und seiner Freundin Liesel lustige Stücklein auf dem neuen Leierkasten vorspielte, kam auch Peterle herbei. Seine Mutter hatte ihm auf seine Bitte Geld aus seiner Sparbüchse gegeben; das brachte er und legte es in Jollys rotes Hütchen.
„Peter!“ rief Liesel erfreut und lief auf den Freund zu, „bist du nun wieder gut?“
Lachend faßte Peter ihre Hände, und fröhlich drehten sich beide im Kreise herum; Jolly machte lustige Sprünge, und der alte Leiermann spielte dazu: dideldideldei, dideldideldumdum.
In der fröhlichen Einkehr.
Ein bißchen launenhaft ist der Frühling aber doch. Einmal läßt er sich wer weiß wie sehr bitten, ehe er erscheint, das andere Jahr wieder kann er nicht schnell genug mit allen Blüten herauskommen. So ging es in diesem ersten Frühling, den die Geschwister Fröhlich in Neustadt verlebten. Kaum war Ostern vorbei, da ging auch schon das rechte Blühen an. Nicht lange dauerte es, da standen alle Obstbäume im weißen oder rosenroten Frühlingskleide da; auf den Beeten blühte es, auf den Wiesen, die Büsche bekamen dicke, dicke Knospen, und eines Tages zündeten die Kastanien ihre weißen Kerzen an, und die ersten Fliedertrauben blühten auf.
Und es war noch nicht einmal Pfingsten. Im Garten des St. Gertrudenspitals war auch an einer besonders warmen, sonnigen Stelle der erste Flieder erblüht, und unter diesem Busch saß die kleine Jantge an einem wunderlieblichen Maitag und weinte herzbrechend. Ihre Zeit im Gertudenspital war nämlich abgelaufen; die Urgroßmutter konnte die Kleine nicht länger bei sich behalten, denn das Gertrudenstift war für alte Frauen, nicht für kleine Mädchen. Der Herr Bürgermeister sagte, es sei ungesetzlich, daß Jantge noch länger bliebe, denn was der einen recht sei, sei der andern billig; schon hätten zwei Frauen darum gebeten, auch ihre Enkelkinder zu sich nehmen zu dürfen. Jantge sollte wieder in ihre eigentliche Heimat zurückgeschickt werden, dort mußte die Stadt für die Kleine sorgen. Die Zukunft lag also wie ein graues Nebelland vor ihr, nur acht Tage noch, dann sollte sie wieder zurückreisen, sollte Neustadt verlassen.
Mitten hinein in ihre traurigen Gedanken sagte auf einmal ein liebes Stimmchen: „Jantge, warum weinst du denn?“