Erschrocken hielt der Knabe in seinem Blasen inne, wer weinte denn da? Verwundert sah er auf das kleine, blonde Mädchen mit dem seltsamen, weißen Häubchen, das wie aus der Erde gewachsen neben ihm stand und weinte.

„Wer bist du, und warum weinst du denn?“ fragte er.

Leise weinend gab Jantge Antwort.

Der Bube hätte das fremde Kind gern getröstet, aber er war ein scheuer, kleiner Bursch, ihm fiel nichts ein, was er sagen konnte, und unwillkürlich nahm er seine Flöte und blies darauf, so schön er es konnte.

Wirklich versiegten auch Jantges Tränen, sie setzte sich neben den Buben und lauschte andächtig dem Spiel; lange, lange hätte sie so sitzen mögen.

Inzwischen hatte aber die Wirtin der „Fröhlichen Einkehr“ den Kaffee gebracht, und Fräulein Helene rief nach den Kindern. Die kamen auch schnell herbei, nur Jantge fehlte; wo war sie denn? Man rief und suchte; hell tönten die Kinderstimmen durch die Stille, Frau Vogeler, die Wirtin, kam auch und half suchen, und sie war es, die Jantge fand.

Die Kleine saß noch immer still neben dem Buben und lauschte dessen Flötenspiel, sie hatte das Rufen gar nicht gehört. Sie schrak zusammen, als die ernste Frau im schwarzen Kleid sie bei ihrem Namen rief.

Der Knabe ließ still seine Flöte sinken; traurig fragte er die Kleine: „Mußt du schon fort?“

Da tönten schon ganz nahe Wendelins und Anne-Martes Stimmen: „Jantge, Jantge, wo bist du?“

„Hier!“ rief Jantge. Sie sprang eilig auf und wollte davonlaufen, aber dann kehrte sie plötzlich um, eilte auf den fremden Buben zu und flüsterte errötend: „Ich danke schön!“ Und weg war sie.