Frau Vogeler aber ging mit dem Knaben Hand in Hand still dem Hause zu. Als sie beide durch den Garten schritten, sagte Jantge, die schon im fröhlichen Kreise unter der Linde saß: „Das ist der Junge, der so schön gespielt hat!“

„Dann ist wohl das Töchterchen der Frau gestorben,“ sagte Fräulein Helene sinnend. „Arme Mutter!“

„Du mußt den Ziegenbock sehen,“ rief Severin, für den das Schönste an der „Fröhlichen Einkehr“ der schwarze Ziegenbock war. Er ärgerte sich ordentlich, daß die Kleine immer von dem fremden Jungen und seinem Blasen sprach. Kaum hatte er den letzten Bissen gegessen, da rief er auch schon wieder: „Komm Jantge, ich zeig’ dir den Ziegenbock!“

„Aber bleibt nicht lange,“ ermahnte Fräulein Helene.

„Wir wollen auch mit,“ riefen die andern, und heidi setzten sich alle in Bewegung, um das Wunder des Hofes, den Ziegenbock, anzuschauen. Es war dies freilich leichter vorgenommen als ausgeführt; weder auf dem Hof noch im Stall war der Ziegenbock zu sehen. Daß solche Tiere mitunter auch im Garten spazieren gehen, daran dachten die Kinder nicht, und betrübt kehrten sie wieder um.

Und gerade als Jantge an der Türe des Gemüsegartens vorbeiging, kam Herr Ziegenbock heraus. Ob er sich über das kleine Mädchen erschrocken hatte, ob er sich über ihr lustiges Springen ärgerte, wer konnte das wissen, jedenfalls benahm sich der Ziegenbock so unnütz und abscheulich, daß Severin ihn seitdem viel weniger bewunderte.

Mit gesenktem Kopf lief er auf Jantge zu, und ehe die Kleine wußte, wie ihr geschah, flog sie in einem weiten Bogen kopfüber in das Gras.

Wer sich nun erschrak, das war der Ziegenbock. Die Kinder brüllten so kräftig los, daß der schwarze Unhold entsetzt entfloh; bis in seinen Stall hinein lief er, dort blieb er mucksstill vor Schreck stehen.

„Jantge ist tot,“ jammerte Brigittchen. „Jantge, Jantge, der Ziegenbock, der Ziegenbock!“ gellte es heulend und klagend durcheinander.