Aus dem Garten kamen die Geschwister Fröhlich angerannt, aus dem Hause die Wirtin, eine Magd und der kleine Junge, und alle riefen sie: „Was ist geschehen, was ist geschehen? Jantge, was fehlt dir?“
„Gar nichts,“ sagte die Kleine auf einmal ganz freundlich und stand auf. Sie hatte sich nur ein bißchen erschrocken, sonst tat ihr nicht eine Fingerspitze weh.
„Aber dein Kleid!“ rief Anne-Marte.
Das sah nun freilich bös aus; das Röckchen war zerrissen, die weiße Bluse beschmutzt. „Es ist mein allerbestes,“ klagte Jantge, „wenn das Urgroßmutter sieht!“
„Sei nicht traurig,“ tröstete Fräulein Helene, „wir werden schon Rat schaffen. Schlimm ist nur, daß deine Kleider ganz naß sind; o weh, du bist ja gerade in eine Pfütze gefallen!“
„Ich kann dem Kind ein Kleid leihen,“ sagte da Frau Vogeler leise und traurig. „Ich hab’ genug Sachen von meiner Marie. Komm mit hinein, Kleine, und weine nicht um deine Sachen.“
Fräulein Helene folgte mit Jantge der Wirtin, die andern blieben draußen und besprachen voller Eifer und mit viel Geschrei den Fall Ziegenbock und Jantge.
Drinnen aber, in einem großen, altmodisch eingerichteten Zimmer, das ein wenig dämmerig war von dem Schatten, den die alten Linden über die Fenster warfen, öffnete Frau Vogeler eine alte Truhe. Sie nahm ein blaues Kleid daraus, das mußte Jantge anziehen, und es sah aus, als wäre es eigens für sie gemacht. So ein wunderfeines Kleid hatte Jantge noch nie besessen, wie eine Prinzessin kam sie sich darin vor und staunend beguckte sie sich. Aus den Augen der Wirtin aber rannen Tränen, schwere Tränen, und Fräulein Helene, die dies sah, flüsterte liebevoll: „Arme Frau“. Dann sagte sie freundlich: „Geh nun hinaus, Jantge, aber nimm das Kleid in acht!“
Und wieder sagte Jantge, wie vorher bei dem Spiel des Knaben, ein wenig verlegen zu der Frau: „Ich danke schön!“ Dann ging sie hinaus, und draußen vor der Türe stand der kleine Flötenspieler und sah sie an und sagte: „Du siehst wie Marie aus!“
„War Marie deine Schwester?“ fragte Jantge.