Der Bube nickte; dann murmelte er: „Ich heiße Karl!“

„Komm mit, Karl,“ bat Jantge, und ganz zutraulich ging der Kleine mit ihr und saß dann unter den andern Kindern, denen Doktor Fröhlich etwas von der Linde erzählte. Er sagte, daß diese ein uralter heiliger Baum sei, der einst der Göttin Frigga oder Freia geweiht war. Kaiser Karl der Große habe einst überall in seinen Landen Linden anpflanzen lassen, und seitdem sei die Linde eigentlich so recht der Schutz- und Schirmbaum des deutschen Hauses geworden.

„Erzählen Sie uns eine richtige Lindengeschichte,“ baten die Mädels, doch da kam schon Fräulein Helene mit der Wirtin aus dem Hause, es war Zeit, den Heimweg anzutreten.

„Komm’ bald wieder,“ bat Karl, als Jantge von ihm Abschied nahm.

„Ich kann nicht, ich gehe weit fort,“ sagte die Kleine. „Aber das Kleid!“ rief sie plötzlich erschrocken.

„Ich hole es mir ab,“ sagte Frau Vogeler und strich sanft über Jantges rosige Wangen. „Ich komme in den nächsten Tagen in die Stadt, dann bringe ich dir dein Kleid wieder, es soll bis dahin rein und heil sein!“

„Auf Wiederseh’n, auf Wiederseh’n!“ riefen die andern Kinder fröhlich, nur Jantge schwieg, sie wußte, sie kam so bald nicht wieder in die „Fröhliche Einkehr“.

Und nun ging es heimwärts durch den Wald. Die Sonne malte große, lichte Tupfen auf den Waldboden, als dächte sie, es wären noch nicht genug Blumen da. Dabei gab es so viel Maiblumen, daß selbst Wendelin fand, es sei doch ganz hübsch, einen Blumenstrauß zu pflücken.

Alle suchten mit großem Eifer, nur Jantge ging immer vorsichtig am Wegrand, damit das geborgte Kleid keinen Schaden nahm.

„Ich krieg’ die meisten!“ rief Anne-Marte. Sie hatte ihren Hut abgenommen und sammelte da hinein hurtig wie ein Vögelein, das Körner pickt.