„Tu dich nur nicht so!“ riefen Jörgel und Severin.

„Pfui, seid ihr abscheulich!“ rief Anne-Marte entrüstet und drehte sich um. Es hielt jemand ihren Hut fest, und sie dachte nicht anders, als es sei dies einer der Buben. Ärgerlich riß sie den Hut fort, und in weitem Bogen flogen die Maiglöckchen heraus, der Hut aber hing an einem weit vorstehenden, knorrigen Eichenast.

„Der hat dir die Blumen nicht gegönnt,“ neckte Doktor Fröhlich. „Sieh mal, wie er aussieht, wie ein richtiges, verhutzeltes Waldmännchen!“

„Es ist abscheulich,“ murrte Anne-Marte, doch schon kam Brigittchen herbei und tröstete: „Ich helf’ dir jetzt suchen.“ „Ich auch!“ rief Jantge.

Und geschwind bekam Anne-Marte wieder einen großen Strauß zusammen. Es war aber auch Zeit, denn schon lichtete sich der Wald, und im Abendsonnenschein lagen Wiesen, Felder und dahinter die Stadt vor den Heimkehrenden. Mit Singen zogen sie alle lustig am alten Wartturm vorbei. Klaus Hippel schwenkte einen Pantoffel zum Fenster heraus über das schwebende Blumenbrettlein hinweg und begrüßte die Wanderer.

„Mutter Paulinchen soll Maiblumen haben,“ sagten die Mädels, und geschwind gab jedes etwas von seinem Strauß; Brigittchen trug den Strauß hinauf, und lachend rief die Pantoffelmacherin den andern ihren Dank aus dem Fenster zu.

„Wenn Pfingsten schönes Wetter ist, dann gehen wir wieder spazieren, wer mitkommen will, ist eingeladen,“ sagte Doktor Fröhlich beim Abschied.

„Ach, Pfingsten muß ja schönes Wetter sein!“ riefen die Mädels und Buben, und dann liefen sie alle mit Schöndank und Gutenacht nach Hause. —

Drei Tage später saß Jantge wieder im Sonnenschein unter dem blühenden Fliederstrauch. Diesmal weinte sie zwar nicht, aber hell und froh wie Maienwetter war ihr Gesichtchen auch nicht. Sie strickte emsig ein paar Pulswärmer, dies sollte ihr Abschiedsgeschenk für die Urgroßmutter werden, denn diese fror trotz aller Maiensonne noch tüchtig. Fräulein Helene hatte der Kleinen die Wolle geschenkt und die Arbeit angefangen, und Jantge strickte, als säße die alte Dorothee daneben und strickte mit ihr Hund und Hase.

In ihrem Eifer merkte Jantge gar nicht, daß jemand auf sie zukam. Erst als ein dunkler Schatten auf ihre Arbeit fiel, sah sie auf. Vor ihr standen Frau Vogeler und Karl aus der „Fröhlichen Einkehr“.