„Pfingsten regnet es nicht, es regnet nie zu Pfingsten,“ sagte Wendelin jeden Tag, der das liebliche Fest näher brachte.
Aber es regnete doch, und wie!
„Strippen regnet es,“ sagten die einen, die anderen sagten „Betteljungen.“ Es floß und goß vom Himmel herab, als säßen oben am Himmelsrand sämtliche Engelein und schütteten das Wasser mit Mulden aus. Die Sonne schaute überhaupt nicht heraus, sie schien es vollständig vergessen zu haben, daß Pfingsten war, gewiß hatte die gute Dame ihren Taschenkalender verlegt.
Und alle Menschen machten bitterböse und trübselige Gesichter. Da lagen nun die neuen Sommerhüte, weißen Pfingstkleider und die Staatsanzüge, und niemand konnte sie anziehen. Und alle schönen Spaziergeh- und Spazierfahrpläne fielen plumps ins Wasser, weichten darin auf und konnten nicht mehr benützt werden. Und vor den Toren in den Kaffeegärten saßen die Wirte und schauten betrübt all die leckeren Festkuchen an, niemand würde kommen und sie aufessen.
Im Wald ärgerten sich die Bäume und die Blumen fast grün und blau. Der Regen rann und rauschte, und niemand würde kommen und sie alle in ihrer Frühlingspracht sehen. Die Vöglein, die sich die allerschönsten Jubellieder einstudiert hatten, ärgerten sich nicht minder, und alles schalt und schimpfte: „Der dumme Regen, so ein abscheulicher Regen. Der konnte doch auch noch drei Tage warten, so eilig war es gar nicht. Dummer Regen!“
„Es regnet Blasen, also hält der Regen auch noch morgen an,“ sagte der Obergeselle Martin. Er hatte zwar immer zu Wendelin und Severin gesagt: „Es kann doch zu Pfingsten regnen,“ nun es aber regnete, war er genau so brummig und schlecht gelaunt wie die anderen Leute.
Es war ein Jammer.
In ganz Neustadt wachten am Pfingstmorgen eigentlich nur zwei Menschen recht vergnügt auf, das waren die Pantoffelmachersleute in ihrem alten Turm.
„Wie das rauscht, Paulinchen,“ sagte Klaus Hippel behaglich, als er erwachte, „es klingt wie ein Konzert.“
Und als die beiden Alten dann von ihrem Fenster in die graue, nebelverhüllte Ferne sahen, da sagte der Pantoffelmacher so recht von Herzen zufrieden: „Paulinchen, sieh nur, wie gut sich so ein Regenwetter von unserem Turm aus ansieht. Weißt du, das ist ein Wetter zum Geschichtenerzählen, ich lese dir nachher was von meiner Chronik vor! Dann haben wir beide einen rechten Festtag!“