Weil Doktor Fröhlich auch ein Dichter war, wie Klaus Hippel, dachte er auch, Geschichtenerzählen sei gut am verregneten Festtag, und flink fiel ihm auch eine Geschichte ein.
„Das abscheuliche Regenwetter,“ klagten auch die fünf Schatzgräber. Ihre Gesichter hellten sich aber sehr auf, als pitsch, patsch, durch Wasserlachen und Pfützen die alte Dorothee über den Kirchplatz ging und bei Schöns, Doktors und Bäckermeisters klingelte, einen schönen Gruß von ihrer Herrschaft bestellte, und die ließ die Kinder zu Schokolade, Spiel und Geschichtenerzählen für den Nachmittag einladen.
Potzhundert, das war noch was!
Hätte der Barometer sich nur einmal Brigittchens strahlende Veilchenaugen angeschaut, er wäre gewiß gleich auf „Schönes Wetter“ gestiegen. Auf einmal war der Vormittag nicht mehr langweilig, der Regen störte die Kinder nicht mehr, und bald nach Tisch patschten alle fünf Schatzgräber seelenvergnügt über den Kirchplatz.
„Wir sind da!“ riefen Wendelin und Severin, als Dorothee die Türe öffnete.
„Na, das merke ich schon,“ meinte diese, „geklingelt habt ihr, als wär’t ihr die Feuerwehr! Erst die Füße ordentlich reinemachen, damit es keine Schmutztapfen gibt!“
Fräulein Helene öffnete die Türe zum Gartenzimmer und hieß ihre Gäste willkommen. Drinnen im Zimmer standen da und dort große Büschel blühender Blumen, die ganze lachende Frühlingspracht war in das Zimmer gekommen, und man merkte es gar nicht, daß draußen schlechtes Wetter war. Und ein ganzes Dach voll Spatzen hätte nicht so viel Lärm machen können wie die fünf Gäste, da merkte man nichts von Regenstimmung, von verdrossener Laune; eitel Sonnenschein war es! Und als die Kinder sich ein wenig müde und satt gelacht, gespielt, getrunken und gegessen hatten, da fragten sie wie rechte kleine Nimmersatte: „Kommt nun die Geschichte?“
Und wirklich, die Geschichte kam; es war eine Geschichte, in der Blumen, Sonnenschein und ähnliche Dinge vorkamen, wie es sich für eine rechte Pfingstgeschichte schickt, und Doktor Fröhlich nannte sie:
„Christoffel will ein König werden.“
Es war einmal ein Hirtenbube, das ist nun nichts Seltenes, denn Hirtenbuben gab es, und gibt es genug auf der Welt. Und der Christoffel, so hieß der Bube, war nicht einmal ein besonderer Hirtenbube, er konnte weder schön singen noch pfeifen, noch wußte er verborgene Schätze zu finden, sehr schön war er auch nicht und sehr klug — na, das war er halt auch nicht. Trotzdem hielt er sich, wie das mitunter in der Welt vorkommt, für den allerschönsten, allerklügsten, allerliebenswürdigsten, allertapfersten Hirtenbuben der Welt.