Manchmal, wenn er auf der grünen Bergwiese saß und weit ins Land hineinschaute, bis zu dem fernen, klaren Bergsee, dann dachte er: „Ich heirate sicher noch einmal eine richtige Prinzessin! Eine mit einer goldenen Krone auf dem Kopfe, potz Wetter, dann werde ich König, na, dann sollen aber die Leute Augen machen!“
Seine Muhme, Trine-Rosine, der er einmal von seiner künftigen Prinzessin erzählte, sagte zwar: „Christoffel, bei dir rappelt es, kennst du nicht das Wort, „Schuster bleib’ bei deinen Leisten.“ Wenn du groß bist, magst du Nachbars Marie heiraten, das wäre das Rechte!“
„Pah,“ dachte Christoffel, „Mariele ist ein Bauernmädchen, das könnte mir gerade passen, ich heirate eine Prinzessin, und damit punktum!“
Dem Mariele erzählte er auch von seinen Hoffnungen, und die sanfte Kleine war ganz traurig darüber, sie hatte den Stoffel lieb und dachte: „Wenn er eine Prinzessin heiratet, dann geht er in die weite Welt und will gar nichts mehr von mir wissen!“
An einem Pfingstsonnabend saßen die beiden Kinder wieder zusammen auf der Bergwiese; gar lieblich lag das Tal im frischen Grün zu ihren Füßen, und aus der Ferne grüßten die weißen Schneeberge herüber. „Weißt’, Mariele,“ sagte Christoffel plötzlich, „ich wandere noch heute in die weite Welt hinaus!“
Dem Mariele blieb vor Schreck der Mund offen stehen, und ganz entsetzt starrte die Kleine den Buben an.
„Na, was schaust du mich so an?“ brummte der, „ich geh’, und damit punktum. Das paßt mir nicht, Geißen hüten, in die Schule gehen, nä, ich geh’ in die Welt und heirate eine Prinzessin! Mach’ nur nicht so ein Geschrei, ich geh’!“
Das arme Mariele schrie gar nicht, es schaute nur den Buben so traurig an, daß es diesem ordentlich weh ums Herz wurde. Und wie gut die kleine Freundin war, das sah er jetzt wieder. Sie gab ihm ihr ganzes Brot mit zur Wegzehrung und noch einen Batzen dazu, den sie am Morgen erst als Pfingstgeschenk von ihrer Patin erhalten hatte. Dann nahm sie Abschied von dem Buben, wünschte ihm alles Glück und bat ihn, sie ja nicht zu vergessen, wenn er erst seine Prinzessin hätte. So schwer wurde dem Mariele das Scheiden, daß ihr immer tropf, tropf, tropf, die Tränlein über die Wangen liefen und in das Bächlein fielen, das vom Berg herunter kam.
„Na nu, Menschentränen an so einem schönen Tag, was hat denn das zu bedeuten?“ dachte das Bächlein. Flink nahm es die glänzenden Tropfen und lief mit ihnen bergab, dem Christoffel nach.
Der Bube ging ganz wohlgemut an diesem hellen Morgen in die weite Welt hinein. Er streckte seine Stupsnase in die Luft, dachte an die Prinzessin, die er heiraten würde, an das prächtige Schloß, in dem er dann wohnen würde, darin gab es gewiß auf goldenen Tellern alle Tage — — — pardauz! da purzelte Christoffel über einen Stein, und weil er gerade ins Rollen kam, rollte und rollte er, bis er im Tal anlangte. „Das ging schnell,“ dachte er, und weil er von der Purzelei Hunger gekriegt hatte, fing er an zu essen und aß alles auf, was er in seiner Tasche hatte, sein Brot und Marieles Brot, und er hätte noch mehr gegessen, wenn er mehr gehabt hätte. Ein Weilchen lag er dann noch, schaute blinzelnd in die Sonne und dachte: „Wenn ich doch auf einem Wagen in die weite Welt fahren könnte!“