„Wenn du mir einen Batzen gibst, nehm’ ich dich mit,“ sagte da auf einmal dicht neben ihm eine Stimme.

Erschrocken blickte Christoffel auf, er sah ein kleines, verhutzeltes Männlein auf einem Wagen sitzen, der von einem mageren, schwarzen Pferde gezogen wurde.

Ohne sich lange zu besinnen, zog der Bube den Batzen heraus, den er von Mariele erhalten hatte, und gab ihn dem Fuhrmann.

Just in diesem Augenblick lief das Bächlein mit Marieles Tränen an ihm vorbei und murmelte: „Bist du aber dumm, bist du aber dumm!“

Aber das Bächlein konnte viel murmeln. Christoffel kümmerte sich nicht darum. Hurtig kletterte er auf den Wagen, und heidi! los ging die Fahrt. Potz Wetter ja, konnte das magere Pferdchen laufen! Das ging wie der Sturmwind, und dem Buben verging fast Hören und Sehen. Die Straße entlang gings, in den Wald hinein, mitten hindurch, da wo gar keine Wege mehr waren. Dem Buben wurde es himmelangst bei der tollen Fahrt. „Ich will hinunter, ich will hinunter!“ schrie er.

Aber er konnte lange schreien, der Kutscher sah sich gar nicht um, nur sein schrilles Lachen hörte der Bube.

Immer wilder jagte das Pferd. Hussa! ging es einen steilen Berg hinauf, die Steine kollerten und rieselten nur so. Der Wagen flog hin und her, aber das Pferdchen lief wie eine Gemse, und von seinen Hufen sprühten Funken auf. Rechts und links gähnten tiefe Abgründe, ein Wildbach schoß brausend ins Tal und schnurr ging der Wagen hindurch, und das Wasser spritzte hoch auf. Nun ging es einen Abhang hinunter, jenseits wieder einen Berg hinauf. Es war wirklich eine Fahrt, für die selbst ein Batzen zu viel war.

„Runter, runter,“ jammerte Christoffel, der im Wagen hin und her flog wie ein Gummiball, mal lag er, mal saß er, mal war er vorn, mal hinten, mal hielt er die Beine in die Luft, mal die Nase. Das sollte nun ein Vergnügen sein, und immer ängstlicher wurde sein Schreien: „Runter, ich will runter!“

Da war es ihm plötzlich, als riefen sanfte Stimmen: „Halt’ dich fest, halt’ dich fest!“ Tief bogen sich die Äste uralter Tannen über ihn, und unwillkürlich griff Christoffel in die Zweige, hielt sich fest, und ritsch! — fuhr der Wagen unter ihm fort. Mit einem bitterbösen Gesicht drehte sich das Männlein auf dem Bock herum, hu, hatte der Augen! Der Bube mußte an das Märchen von dem bösen Berggeist denken, das ihm die Muhme Trine-Rosine erzählt hatte. Von dem Berggeist, der Kinder entführt und sie hoch oben auf den Gipfeln, in Abgründen und Schluchten, die nie eines Menschen Fuß betritt, gefangen hält. Ob das wohl der Berggeist gewesen war?

Sacht neigten sich die Äste der Tanne, an denen Christoffel sich fest hielt, zu Boden, und der Bube stand nun mitten im einsamen, wilden Bergwald. Er kannte keinen Weg, und so ging er denn unverzagt gerade darauf los. „Irgendwo werde ich schon raus kommen,“ dachte er.