Ganz entsetzt starrte Christoffel auf die winzigen Portionen, die Melinde ihm vorlegte, und wie das Zeug schmeckte! Lange nicht so gut wie Muhme Trine-Rosines Pfingstkuchen. Der Gänseblümchenwein schmeckte wie einfaches Quellwasser, und die Veilchenpastete war nicht größer als ein Fingerhut.
„Wie du schnell ißt,“ sagte Melinde erstaunt, als Christoffel die ganze Veilchenpastete mit einem Male hinunterschluckte. „Nein, so etwas, du wirst dir den Magen verderben!“
„Von dem Bißchen,“ murmelte Christoffel kleinlaut. Er war nun erst recht hungrig geworden und verlangend sah er sich um.
„Eia,“ rief Melinde da, „wir bekommen noch Erdbeeren, die sollen uns schmecken!“
Zwei Elfen trugen auf einem großen Blatt zwei Erdbeeren herbei, und das Prinzeßchen schaute den Buben fragend an: „Kannst du auch eine ganze Erdbeere vertragen?“
„Bloß eine?“ rief Christoffel kläglich, „hundert kann ich essen,“ und schwapp schluckte er beide Erdbeeren hinunter; „ich habe Hunger,“ klagte er. „So ein Vielfraß!“ wisperten die Elfen, und auf einmal kamen aus allen Ecken Elfen und Schmetterlinge herbei, umstanden und umflatterten den Buben, Melinde aber fing an zu weinen. „Er hat mir meine Erdbeere weggegessen, nein, wie kann man so viel essen!“
„Er hat einen Mund wie eine Höhle,“ wisperte ein Elfchen, das in einem rosenroten Gewand steckte, und ein Schmetterling setzte sich auf Christoffels kleine, dicke Stupsnase, um sich genau den großen Mund anzusehen.
„Haizih, haizih!“ nieste der Bube, den dies mächtig kitzelte. Hopsa, flog da der Schmetterling in einem weiten Bogen von der Nase herunter, und die Elfen purzelten und kugelten übereinander und schrieen gar kläglich vor Schreck. Melinde aber verschluckte sich so am Gänseblümchenwein, daß sie hustete und prustete. Es entstand ein solcher Wirrwarr, ein solches Geschwirr und Geschrei, daß die Blumenkönigin eiligst hereinkam, und wehklagend und jammernd stürzten die Elfen auf sie zu: „Er hat mit seiner Nase geschossen, da, einen Schmetterling hat er totgeschossen,“ klagten alle.
Der arme Christoffel saß ganz verdattert auf seinem goldenen Stühlchen, er hatte doch nur geniest, war denn das so schlimm? In dem Gesicht der Blumenkönigin blühte sacht ein holdes Lächeln auf, und mit gar lieben, sanften Worten beruhigte sie die erregte Schar und schalt auch ein wenig, daß man nicht freundlich genug gegen den Gast sei. Melindes Tränen versiegten. Lächelnd nahm sie Christoffels Hand und sagte: „Komm jetzt zum Abendtanz auf die Wiese, die Sonne wird bald sinken, dann müssen wir alle schlafen gehen, vorher tanzen wir aber noch alle miteinander!“
Christoffel ging ein wenig kleinlaut mit Melinde hinaus, und singend, wispernd, schwirrend folgten ihnen alle Elfen und Schmetterlinge. Im Garten dufteten die Blumen wundersüß im Glanz der scheidenden Sonne. „Nun laß uns tanzen,“ sagte Melinde auf der Wiese zu Christoffel, sie faßte ihr Kleidchen zierlich an, ihre weiten Ärmel flogen, und sie sah aus wie ein großer, schwebender Schmetterling.