Ach! das Tanzen war des Christoffels schwache Seite; er hopste über die Wiese wie ein junger Ziegenbock, der das Laufen noch nicht gelernt hat.
„Au, au, du trittst mich ja,“ jammerte Melinde, „pfui, bist du ungeschickt mit deinen schweren Stiefeln. Zieh sie doch aus!“ Verlegen gehorchte der Bube, er hatte schöne, blitzeblaue Strümpfe an; daran, daß sie etliche Löcher hatten, dachte er nicht. In Strümpfen hopste er mit Melinde über die Wiese, da begannen plötzlich die Elfen zu kichern: „Er hat in der rechten Hacke ein Loch, hihihi, die große Zehe guckt am linken Fuß heraus, hihihi!“ Christoffel wurde puterrot, Melinde aber ließ ärgerlich seine Hand los: „Pfui, ich mag nicht mehr mit dir tanzen,“ rief sie schnippisch, „wenn man Löcher in den Strümpfen hat, tanzt man mit keiner Prinzessin!“
„Kommt alle hinein, die Sonne sinkt,“ rief da die Blumenkönigin.
Flugs liefen und flogen sie alle dem Hause zu. Allein, die Stiefeln in der Hand, folgte Christoffel sehr niedergeschlagen. Als er an dem Haus mit dem goldenen Dach anlangte, war die Prinzessin schon darin verschwunden, und am liebsten wäre er wieder umgekehrt, die Blumenkönigin aber nahm ihn an der Hand und führte ihn in ein kleines Gemach, in dem ein goldenes Bettchen stand. „Hier magst du heute schlafen,“ sagte sie, „morgen wollen wir dann weiter sehen, wie es dir bei uns gefällt!“
Sie ging, und Christoffel blieb allein. Ja, wunderfein und zierlich war das Bettchen schon, aber so klein, wie sollte er da nur hineinkommen? Er zog sich aber doch aus und kletterte in das Bett. „Es wird schon gehen,“ dachte er; aber das Bett war doch nicht für einen kleinen, dicken Menschenjungen gemacht; als Christoffel hineinplumpste, da ging es gleich mit einem großen Krach mitten auseinander, und der Bube lag am Boden.
„Na, ist auch recht,“ dachte er, als er sich vom Schreck etwas erholt hatte, drehte sich um und schlief ein wie ein Murmeltier zu Winters Anfang. Er schlief, bis ihm die helle Pfingstsonne auf die Nase schien, da wachte er auf, und da fühlte er auch gleich, daß ihm etwas schrecklich weh tat. „Was ist denn das?“ dachte er, „mir ist’s ja so schlimm, o je, o je!“ Nun begann sein Mäglein furchtbar zu knurren, und er merkte, daß es der Hunger war, der ihn quälte. Hurtig sprang er aus dem Bett und zog sich an. Frühstück, das war sein einziger Gedanke. Als er in den Garten kam, spazierte Melinde schon zwischen den Blumen auf und ab, sie nickte ihm freundlich zu und rief: „Komm rasch frühstücken!“
„Wo ist das Frühstück?“ Wie ein Kreisel drehte sich Christoffel rund um, hungrig schaute er da und dorthin, aber nirgends erblickte er einen gedeckten Tisch. Da sah er, wie Melinde den Tau aus den Blumen schlürfte, und als die kleine Königin das verblüffte Gesicht des Buben bemerkte, sagte sie: „Komm nur und trinke dich ordentlich satt am Tau, damit du mir nachher zu Mittag nicht wieder alles vor der Nase weg ißt.“
Tau sollte er trinken, das sollte sein ganzes Frühstück sein! Vor Entsetzen erhob Christoffel ein so jämmerliches Geschrei, daß alle Blumen zu zittern begannen und die Blumenkönigin und viele Elfen und Schmetterlinge herbei kamen: „Was ist dir denn, was fehlt dir?“ riefen sie erschrocken.
„Hunger, Hunger hab’ ich,“ brüllte der Bube, „huhuhu, ich habe solchen Hunger, ich sterbe vor Hunger!“
„Holt ihm rasch eine Veilchenpastete,“ rief die Blumenkönigin mitleidig, „oder nein, wir wollen ihn in die Vorratskammer führen, da mag er essen, was ihm gefällt!“