Melinde, die vor lauter Mitgefühl mit weinte, führte den Buben selbst in die Vorratskammer, und die Blumenkönigin, alle Elfen und Schmetterlinge folgten. In der Vorratskammer standen viele goldene Schüsseln und Krüge, aber alle waren sie so klein, viel zu klein für Christoffels Hunger. Im Umsehen hatte der zehn Veilchenpasteten hinuntergeschluckt und einen Topf voll Rosenmus ausgeschleckt, und ehe die anderen recht wußten, wie und was, hatte er die ganze Vorratskammer leer gegessen. —

Da erhob sich ein großer Tumult unter den Elfen und Schmetterlingen und zornig riefen sie: „Der soll nicht unser König werden, der ißt uns ja alles, alles auf!“

Auch Melinde weinte: „Ich will keinen Mann, der so schrecklich viel ißt, nein, den mag ich nicht!“

„Ich will auch nicht hier bleiben, hier gibts ja nicht mal ordentlichen Pfingstkuchen, hier wird man ja nie satt,“ trotzte der Bube auf.

„Er ist noch nicht satt,“ schrieen alle entsetzt und schwirrten, wisperten, riefen und schalten alle so durcheinander, daß es dem Christoffel himmelangst wurde, und er rasch ans Ausreißen dachte. Er lief geschwind zur Türe hinaus, schwapp war er draußen. Er kam aber auf der anderen Seite des Hauses heraus, und weil er Angst hatte, man könnte ihn verfolgen, rannte er so schnell er konnte. Darüber sah er nicht ein tiefes Loch, und pardauz, fiel er in das Loch hinein. Er rutschte und rutschte immer tiefer, und plötzlich saß er mitten in einer weiten Halle unter lauter kleinen, seltsamen, braunen, verhutzelten Leutchen. Es waren Wurzelmännlein und Weiblein, unter die er geraten war; voll Erstaunen sahen die den Gast an, der so unversehens in ihr Reich gefallen war.

„Wer bist du denn?“ fragte ein kleiner Wurzelmann, der eine Krone aus Bergkristall auf dem Haupte trug.

„Ich bin der Christoffel, ein Hirtenbube, und möchte eine Königstochter heiraten und König werden. Muhme Trine-Rosine sagt, so was sei schon öfters vorgekommen,“ stammelte der Kleine.

„Na, das trifft sich mal gut,“ rief der Wurzelkönig, „ich suche einen Mann für meine Tochter Braunella, einen Wurzelmann möchte sie nicht gern heiraten. Komm einmal her, Braunella, wenn dir der Menschenjunge gefällt, und er immer bei uns bleiben will, dann kannst du ihn heiraten!“

Ein kleines Fräulein kam herbei, ganz braun im Gesicht, mit einem grünen Kleide an; Melinde war freilich viel hübscher gewesen, aber Braunella sah man es an, daß sie eine Königstochter war, sie hatte eine goldene Krone auf dem Kopfe. Sie klatschte in die Hände und rief vergnügt: „Ja, den will ich, der soll mein Mann werden!“

Christoffel sah sich bedenklich um, oben bei der Blumenkönigin war es viel hübscher gewesen als hier im dämmrigen Wurzelreich, hier roch es so sumpfig und dumpf. Hier sollte er sein ganzes Leben lang bleiben, das mochte ihm gar nicht recht gefallen, und was nützte es ihm denn, wenn er König wurde, und niemand daheim wußte es. Aber die Wurzelleute schienen es gar nicht anders zu erwarten, als daß er blieb. Der König rief mit lauter Stimme: „Flugs rüstet ein festliches Mal, es soll unserem Gast zu Ehren gebratene Regenwürmer geben.“