„Eia, o, wie fein!“ riefen die Wurzelleute alle durch einander; ein kleiner, dicker Wurzelmann schnalzte ordentlich mit der Zunge vor Vergnügen.
Christoffel aber schrie entsetzt: „Gebratene Regenwürmer, pfui, wie kann man so etwas essen!“ Ganz schlimm wurde es ihm bei dem Gedanken an diese Speise. Na, hier war er recht aus dem Regen in die Traufe gekommen, da waren die Veilchenpasteten der Blumenkönigin schon besser gewesen, und die kleine Wurzelprinzessin gefiel ihm auch gar nicht. Ratlos sah er sich um, hinein war er gekommen in das Wurzelreich, wie aber sollte er wieder hinaus kommen? Da hörte er plötzlich neben sich ein sachtes Murmeln, es klang genau wie Marieles Stimme, es war das Bächlein, das Marieles Tränen trug, und das ein Stück durchs Wurzelreich floß. „Ich nehm’ dich mit, ich nehm’ dich mit,“ sang es.
Heisa, da besann sich Christoffel nicht lange, er lief rasch dahin, von wo das Murmeln erklang, da sah er es schimmern wie flüssiges Silber, und stärker hörte er das Rauschen. Hopps sprang er in den Bach! „Er reißt aus, er reißt aus,“ schrieen die Wurzelleute wütend. Aber schon hatte das Bächlein den Buben aufgenommen, der rutschte, glitt, kollerte, es sauste und brauste ihm um die Ohren, er wurde gepufft und gestoßen, das Wasser rauschte über ihn hinweg, ganz in der Ferne hörte er das Geschrei der Wurzelleute, und plötzlich wurde es ganz hell um ihn her. Verdutzt schaute er sich um, er lag im hellen Sonnenschein am Fuß eines Berges, und nicht weit davon murmelte ein Bächlein.
„Da liegt der Christoffel,“ rief eine helle Stimme, und das Mariele beugte sich über ihn.
„Christoffel, Christoffel,“ rief es von allen Seiten, „wo warst du denn, wo hast du gesteckt, und wie siehst du aus?“
Männer und Frauen, Buben und Mädels kamen herbeigelaufen und riefen durcheinander: „Der Christoffel ist wieder da! Wo warst du denn nur Bube, sag’ doch!“
Christoffel richtete sich auf, seine Glieder schmerzten, und ganz naß war er, nein und wie schmutzig er aussah! Er rieb sich den Kopf, der tat ihm so weh, daß er kaum aus den Augen sehen konnte. Stotternd begann er zu erzählen, von dem Berggeist, der Schmetterlingskönigin und dem Wurzelreich.
Verdutzt hörten die Dorfleute ihm zu, was schwatzte denn der Bube nur? „Er hat Fieber, er muß ins Bett und Lindenblütentee trinken,“ sagte da jemand; es war Muhme Trine-Rosine. Sie hob den Buben auf und trug ihn ohne weiteres heim, zog ihn aus und legte ihn ins Bett.
„Ich habe Hunger, ich will Pfingstkuchen,“ schrie Christoffel. „Papperlapapp,“ sagte die Muhme, „Lindenblütentee gibt es, und drei Tage nichts zu essen, das ist das beste Mittel gegen Fieber.“
„Pfingstkuchen!“ rief der Bube jämmerlich; da bekam er eine riesengroße Tasse Tee, und allemal, wenn er den Mund aufmachte und Pfingstkuchen rief oder etwas erzählen wollte, bekam er wieder Tee. So ging es drei Tage, dann sagte Muhme Trine-Rosine: „Jetzt kannst du aufstehen!“