„Geht zu Bett,“ sagte die Meisterin zu ihren Buben, und weil diese, so viele dumme Streiche sie auch machten, doch folgsam waren, meinte sie, ihr Befehl sei ausgeführt und die Buben wären ins Bett gegangen.

Die aber saßen mit ihren Freunden zitternd und zagend in ihrer Schlafkammer, und je später es wurde, je graulicher wurde ihnen zu Mute. Zur Aufmunterung erzählten sie sich noch allerlei Schauergeschichten, lauter dummes, unwahres Zeug, und je mehr sie sich erzählten, je ängstlicher wurden sie.

Auf einmal klopfte es leise an der Türe, Heine erschien mit einer großen Stallaterne und drei Spaten. „Jetzt laß ich euch zur Hintertüre hinaus, s’ist gerade Zehn, und der Mond wird gleich zum Vorschein kommen; nun macht eure Sache gut. Wenn ihr fertig seid, dann klettert ihr die Leiter hinauf, die am Fenster der zweiten Backstube steht, und pfeift, ich mache euch dann die Türe wieder auf und laß’ euch herein! Laßt euch man nicht von ’n Gespenst oder so was erwischen, weil’s nämlich mit dem Schatzgraben manchmal bedenklich ist,“ ermahnte er noch. Diese Worte trugen gerade nicht dazu bei, den Mut der Kinder sonderlich zu stärken.

„Es ist schrecklich gruslich!“ wimmerte Anne-Marte. Brigittchen schluckte krampfhaft die Tränen herunter; sie dachte an den alten, guten Klaus Hippel und daß sie ihm so gern helfen wollte. Ganz mutig tappte sie also hinter den Buben drein; auch Anne-Marte folgte, als sie die Freundin so beherzt sah.

Als sich aber die Haustüre hinter den Fünfen schloß und sie so allein in dem einsamen Grasgarten standen, fing es allen an sehr unheimlich zu werden. „Pah, s’ist gar nichts, nur los,“ rief Jörgel patzig; er guckte dabei rechts und links, ob sich auch niemand blicken ließ.

„Wir sind doch schon oft so spät draußen gewesen,“ prahlten Severin und Wendelin, und dabei war es, als ob ihnen die Füße am Boden festklebten. Endlich aber faßten sie sich alle an und marschierten tapfer auf den alten Stein los, der in einer Ecke des Grasgartens stand.

Es war ein etwas stürmischer, aber warmer Herbsttag. Der Wind spielte mit dunklen Wetterwolken am Himmel Haschen, und mal flog eine Wolke da, mal dorthin, und der Mond, der sich gern in seinem vollen Glanz zeigen wollte, hatte rechtschaffene Mühe, immer wieder hinter den Wolken hervorzuschauen. Das Häuflein Kinder auf dem alten Klosterhof kam ihm gewiß recht wunderlich vor.

Unter Seufzen und Ächzen begannen die Buben zu graben. Wendelin hatte gerade eine kleine Erdscholle ausgehoben, als er flüsterte: „Es hat geklirrt!“

„Unsinn,“ brummte Severin, „ich hab’ an die Laterne gestoßen.“

„Ich hab’ was,“ schrie Jörgel und bückte sich. Er hob etwas Schweres, Dunkles mühsam auf, und flugs beugten alle fünf ihre Nasen darüber.