Und mit allen Hausbewohnern war Mohrchen auch bald gut Freund, nur mit der alten Berta, der Köchin, nicht. — „Ich kann Hunde kein bißchen leiden,“ sagte diese, wenn Fritz ihr von Mohrchens Tugend und Weisheit erzählte. „Sind sie weiß, dann mag’s noch gehen; aber so ein schwarzes Tier sieht aus wie ein Schornsteinfeger, und die machen die Küche schmutzig, und darum kann ich Schornsteinfeger und Hunde nicht leiden, damit basta!“
Kam das arme Mohrchen wirklich einmal in die Küche, dann schrie Berta, zornig einen Quirl oder Kochlöffel schwingend: „Raus mit dem Schornsteinfeger, basta, basta!“
Berta war eigentlich nur so böse auf Mohrchen, weil sie eifersüchtig war. Fritz war ihr ganz besonderer Liebling, und sie meinte, seit Mohrchen im Hause wäre, kümmerte er sich nicht mehr soviel wie sonst um sie. In ihrem Ärger gab sie Schnurrhans, dem Kater, immer die besten Bissen. Der wurde, weil er gar so gute Pflege hatte, immer dicker und fauler und ging zuletzt überhaupt nicht mehr auf die Mäusejagd, er saß wie ein dicker Muff in der Sonne und rührte sich kaum. Je unfreundlicher aber Berta zu Mohrchen war, je weniger kam Fritz zu ihr; er lief mit seinem schwarzen Freund im Garten herum; zuletzt mieden sie beide die Küche und Bertas Nähe.
So war der Frühling ins Land gekommen. An einem schon recht heißen und schwülen Maitage fuhren die Großeltern über Land, und Fritz blieb mit Berta und Luise, dem Stubenmädchen, allein im Hause zurück. „Bange dich nicht, mein Jungchen,“ hatte die Großmutter beim Abschied zärtlich gesagt.
„Ach nein, ich habe ja Mohrchen,“ rief Fritz fröhlich.
Berta hörte dies und wütend blickte sie auf den Hund. „Warte nur,“ brummte sie, „heute gibts nur Wassersuppe zu Mittag.“
Mohrchen empfand an diesem heißen Tage rechten Durst, denn nicht wie sonst stand ein Schüsselchen mit Wasser auf seinem Platze. Da sein kleiner Herr und Freund noch in der Schule war, rannte der Hund umher und suchte Luise. Dabei kam er auch in den offenstehenden Keller, in dem Berta herumhantierte. „Wart’, du abscheuliches Tier!“ rief diese und erhob drohend eine Latte. Erschrocken flüchtete Mohrchen und geriet in seiner Angst in den Kohlenkeller.
„Ei, da magst du bleiben, bis Fritz nach Hause kommt,“ rief Berta höhnisch, und schwapp! schlug sie die Türe zu, die sie fest verschloß; so war denn Mohrchen nun ein Gefangener.
Als Fritz bald darauf heimkam, galt seine erste Frage dem schwarzen Freund. Berta brummte einige unverständliche Worte; lügen wollte sie doch nicht, aber auch nicht eingestehen, daß sie den Hund eingesperrt hatte. „Iß nur jetzt dein Mittagsbrot; er wird dann schon kommen,“ sagte sie und nahm sich vor, gleich den Hund herauszulassen. Aber da kam eine Bauersfrau, die Butter brachte, dann die Waschfrau; so verging die Zeit, und es mochte wohl eine gute Stunde verflossen sein, ehe Berta an Fritz und an das eingesperrte Mohrchen dachte. Eilig ging sie und öffnete die Kellertüre; scheu kroch der Hund heraus. Wenn er nicht schon ein Mohrchen gewesen wäre, so hätte man ihn jetzt eins nennen können. Die weißen Pfötchen und die hellen Flecken an seinem Schnäuzchen und an seiner Brust waren durch den Kohlenstaub ganz schwarz geworden. „Pfui, du Schornsteinfeger, wie siehst du aus!“ schalt Berta und dachte gar nicht daran, wie ungerecht ihre Vorwürfe waren. „Lauf’ in den Garten zu Fritz, basta!“ schrie sie barsch, und Mohrchen schlich verschüchtert von dannen.
Da kam Luise aus dem Garten und sagte: „Ich weiß gar nicht, wo Fritz hingekommen ist; Jörgel Fabian war da und wollte ihn besuchen; da habe ich überall gesucht, aber der Junge ist nirgends zu finden. — Geh’, such’ ihn, Mohrchen!“ rief sie dem Hunde zu. Der wandte sich um und sah das Mädchen mit seinen klugen Augen verständig an, dann stieß er ein kurzes Bellen aus und rannte davon.