„Fritz wird auf seinem Lieblingsplatz im Garten, auf dem großen Apfelbaum sitzen,“ meinte Berta.

„Nein,“ entgegnete Luise, „da ist er nicht; ich habe rechte Angst um ihn, weil ein Gewitter zu kommen scheint.“

Erschrocken sah Berta zum Himmel auf. Der war weißgrau, und hinter dem steilen Dach der Marienkirche stieg dunkles Gewölk empor.

„Bleib’ hier,“ rief Berta jetzt ängstlich, „ich werde Fritz suchen, vielleicht ist er zu Doktor Fabians gegangen.“ Aber Fritz war nicht dort, und wo Berta auch nach ihm fragte, niemand hatte ihn gesehen, nur die Obstfrau sagte, Fritz sei vor einiger Zeit an ihr vorbeigelaufen, der Waldstraße zu. Während Berta so herumrannte, den Knaben zu suchen, war es immer dunkler geworden; eine fahle, bleigraue Dämmerung legte sich über das Städtchen, und auf einmal erhob sich ein heftiger Wind und ferner Donner rollte. Angsterfüllt eilte die alte Köchin heim; vielleicht war Fritz unterdessen zurückgekehrt, aber Luise kam ihr weinend entgegen und rief: „Er ist immer noch nicht da.“

Es wurde dunkler und dunkler; grell zuckten die Blitze hernieder, unheimlich rollte der Donner, und breite Regenwasserbäche rannen über die Straßen.

Berta lief trotz Luisens Bitten, die sich vor dem Unwetter fürchtete, wieder auf die Straße und suchte Fritz. Der Schneidermeister Langbein, den sie traf, hatte den Knaben nach dem Walde rennen sehen. „Schicken Sie ihm Mohrchen nach, Mamsell Berta,“ rief er, „der findet ihn schon, der riecht mehr als hundert Menschennasen zusammen.“ Und Berta lief heim; der Schneider ging zu ihrer Beruhigung mit, aber Mohrchen war nirgends zu finden.

Die alte Berta war ganz verzweifelt. „Ich bin schuld daran, warum habe ich den Hund eingesperrt! Ach, guter Gott, hilf mir doch!“ jammerte sie.

„Jetzt hört der Regen auf, das Gewitter hat sich bald verzogen; da werde ich nach dem Walde gehen und den Buben suchen. Weinen Sie nicht mehr, Mamsell Berta,“ tröstete der Meister.

„Mohrchen, dort kommt Mohrchen!“ schrie Luise auf einmal freudig. Triefend und keuchend kam der Hund gelaufen. Die Zunge hing ihm weit heraus, und sein sonst so glänzendes Fell war mit dickem, grünlichem Schlamm bedeckt.

„Er ist im Wildmoor gewesen,“ riefen der Meister und Luise entsetzt, und Berta stöhnte: „Im Moor, im Moor!“ Da zog und zerrte jemand an ihrem Kleid, es war Mohrchen. Flehend sah der Hund zu ihr auf, dann rannte er zu Luise und zerrte auch diese, als wollte er sagen: „Komm mit!“