„Der Hund will uns führen,“ rief das Mädchen.
„Er weiß, wo Fritz ist. Ich sag’s ja, der hat Verstand wie ’n Professor,“ sagte der Meister und fügte hinzu: „Ich laufe schnell zum Gärtner Schulz, der soll seinen Wagen anspannen, dann kommen wir schneller hin.“
Mohrchen zog schon wieder an Bertas Kleid und sah flehend zu ihr empor.
„Ich komme, Mohrchen, ich komme,“ schluchzte diese.
Wenige Minuten später hielt auch der Gärtner mit seinem Wägelchen vor der Tür. Berta und der Meister stiegen ein, Mohrchen raste voran, und heidi, fort ging die Fahrt, dem nahen Walde zu. Mitten drin im Wald lag das sogenannte Wildmoor. Es war eine weite, grüne Fläche, auf der im Sommer allerlei schöne, seltene Blumen blühten, Wasserpflanzen mit durchsichtigen Stengeln und glänzenden Blättern. Immer herrschte hier eine tiefe, fast traumhafte Stille, und nur an sehr heißen Sommertagen schossen schimmernde Libellen und andere Insekten über den grünen Grund.
Die Schönheit des Wildmoors aber war recht trügerisch. Für jemand, der den Weg nicht genau kannte, war es gefährlich, darüber zu gehen, da er leicht in eins der tiefen Moorlöcher geriet, die unter der schönen, grünen Decke verborgen lagen, und aus denen es schwer war, ohne fremde Hilfe wieder herauszukommen.
Das Gewitter hatte sich völlig verzogen, und die Sonnenstrahlen rannen schon wieder durch das dichte Blätterdach des Waldes. Da erscholl Wagenrollen und Hundegebell, und bald darauf eilten Berta und Meister Langbein an den Rand des Moores. Das lag in stiller Verlassenheit da, nichts regte sich; so weit auch Berta zu sehen vermochte, sie erblickte nicht die geringste Spur des vermißten Knaben.
„Fritz, Fritz!“ rief sie in namenloser Herzensangst. Doch da zerrte sie Mohrchen wieder am Kleide, und auf einmal ertönte eine schwache Stimme: „Berta, hier bin ich!“
Eilig rannte diese dem Hunde nach und unter einer dicken Buche, nahe am Rande des Moores, fand sie den Knaben. Er kauerte in einer kleinen Erdhöhle und war über und über mit Schlamm und Schmutz bedeckt.
Mit einem Jubelschrei stürzte Berta auf den so angstvoll Gesuchten zu. „Mein Herzensjunge,“ rief sie weinend vor Freude und hob den Knaben empor, „dem lieben Gott sei Dank, daß wir dich gefunden haben.“