Ein wildes Angstgeschrei erhob sich, alle Gäste sprangen auf, eine Kaffeetasse und der Milchtopf fielen um, Kuchenstücke und Arbeitsbeutel rollten zu Boden, die Damen rannten hinaus und bald gellte der Angstruf: „Feuer, Feuer!“ bis auf die Straße hinaus.
„Huh!“ schrie die Grünwarenhändlerin Lehmann und purzelte mit einem Korbe unreifer Stachelbeeren auf die Straße. Alles was flinke Beine hatte, rannte dem Rufe nach, alle Fenster öffneten sich, überall schauten Leute heraus und einer fragte den andern: „Wo brennt’s denn? Sieht man das Feuer?“
Und plötzlich jagte eine wunderliche Gestalt aus dem Bäckerhause heraus; Heine war es. Er hatte sich in eine große, rotkarierte Bettdecke gewickelt, die ihm halb nachschleppte, ein dickes, blaugewürfeltes Kopfkissen hielt er im Arm, als sei es ein kostbarer Schatz. Und so rannte der Geselle die Marienstraße entlang und schrie unaufhörlich: „Feuer, Feuer!“
Bald kamen von überall her die Menschen angerannt, die Feuerwehr kam mit für Neustadt ganz außergewöhnlicher Eile angerasselt, sie hatte es nämlich nicht weit.
„Feuer, Feuer!“ schrie alles im Bäckerhause; Meister Gutgesell rannte hierhin und dahin. Ja, Potzwetter, wo brannte es denn?
„In Heines Stube,“ rief Martin, und Meister und Altgeselle stürzten hinauf; Heine hatte seine Stube in der Mansarde.
Doch in der Stube war kein Fünkchen zu sehen, es roch kein Bißchen nach Rauch, etwas Merkwürdiges aber erblickte der Meister, das waren vier Beine, die unter dem Bett hervorragten und die gerade, als er das Zimmer betrat, zappelnd darunter verschwinden wollten. Kurz entschlossen ergriff der Meister zwei Beine, Martin die anderen, und schwapp kamen Severin und Wendelin mit feuerroten, verheulten Gesichtern unter dem Bette vor.
„Dumme Bengels, seid doch nicht so furchtsam, das ganze Haus brennt doch noch nicht, wißt ihr denn, wo’s brennt?“
„Hup, hup, hup,“ schluchzte Severin, „e—s brennt ja gar nicht!“
„Heine,“ heulte Wendelin, „dachte, weil — weil — wir doch bloß Spaß gemacht haben!“