Das Pferd kümmerte sich nicht im geringsten darum, es raste immer wilder bergab. Einmal flog der Wagen rechts herum, einmal links herum, einmal hopste er wie ein Frosch, der einen Tümpel sieht. Und innen im Wagen begann es seltsam zu klirren und zu poltern. Den Kindern wurde es himmelangst; zuletzt verlor Fritz die Peitsche, Jakob ließ die Zügel sinken, und alle brüllten miteinander, so laut sie nur konnten.
„Jetzt fallen wir alle in den Graben,“ dachte Friede verzweifelt, als Oberheudorf auftauchte und es kurz vor dem Dorf ziemlich steil bergab ging. Sie fielen aber nicht, es gab auf einmal einen Ruck. Friede Hopserling stand neben dem Wagen, hielt das Pferd am Zügel, und laut rufend und jammernd öffneten sich die Haustüren, und alle, die daheim waren in Oberheudorf, kamen angelaufen; die meisten Männer waren freilich draußen auf dem Felde. Etliche Frauen kamen an, Mädel und Buben, Hunde, Gänse, zwei Ziegen, Hühner, und wer sonst noch den Lärm gehört hatte.
Die vier Kinder auf dem Bock waren ganz verdattert und konnten zuerst auf alle Fragen gar keine Antwort geben. Endlich, nachdem der Vater des dicken Friede seinen Buben ein wenig hin und her geschüttelt und seine Mutter ihm versprochen hatte: „Nachher bekommst du ein Honigbrot,“ konnte der Bube die wunderbare Begebenheit erzählen.
„Tut, tut!“ blies Hans Rumps rasch in sein Horn, denn die Sache schien ihm so ungeheuer wichtig, daß er sie beblasen mußte.
„Seid doch still!“ murrte der Bauer ärgerlich. „Was soll denn die dämliche Blaserei dabei?“
Hans Rumps schwieg gekränkt, seiner Meinung nach gab das Blasen der Geschichte erst die nötige Feierlichkeit. „Der Schulze muß her,“ sagten ein paar Stimmen, „man muß doch wissen, wem Pferd und Wagen gehören.“
„Ich meine, es sieht so – so bekannt aus,“ brummte Friede Hopserling und ging um den Wagen herum, das Schild zu lesen, das jeder Wagen haben mußte. Es war keins da, und Schulzens Jakob, der sich jetzt auch darauf besonnen hatte, daß er einen Mund besaß und sprechen konnte, sagte wichtig: „Das hat der Dieb abgemacht.“
Die Leute sahen sich an. Ja, so war es wohl, und Hans Rumps blies wieder in sein Horn. „Tut, tut, tut, tut, der Schulze muß herbei.“ Der kam gerade mit etlichen Bauern und Knechten vom Feld, und als die Männer beim ersten Haus vom Dorf das Blasen hörten, kamen sie sehr eilig angelaufen. Wenn Hans Rumps blies, da war etwas nicht in Ordnung, und der Schulze dachte: „Na, was wird das wieder für eine Dummheit sein!“
Die Bauern kamen von der einen Seite angerannt, von der andern kam die Schnipfelbäuerin. Der hatte Mine, die Wirtsmagd, zugerufen: „Bäuerin, Fritz hat beinahe ein Dieb mitgenommen. Außerdem ist er halbtot gefahren!“
Die arme Frau rannte in ihrer Angst alles um, was ihr in den Weg kam. Sie hätte so auch beinahe den Schulzen umgerannt, doch der hielt sie fest und fragte, was los sei. „Mein Fritz, mein Fritz!“ jammerte die Frau. Mine, die voran lief, drehte sich um und rief: „Schulze, der Jakob ist auch dabei.“