Er sprang auf und platschte mit beiden Beinen in eine Wasserbütte. Das Wasser spritzte hoch auf, die Frauen wichen lachend und schreiend zurück, Hans Rumps aber griff nach seinem Kopf und rief: „Das ist verhext, das ist verhext!“ Plumps rutschte ihm ein dicker, gelber Ringelblumenkranz über die Nase und lag dann wie eine Krause um seinen Hals.

Hilflos starrte der Nachtwächter um sich. Was war nur mit ihm geschehen? Da fiel sein Blick auf seinen Stock, an dem seine Laterne sonst hing. Nein, sein Stock war das doch nicht, auf einer Bohnenstange hing ein alter Blechtopf. „Und keine Knöpfe hat er am Rock,“ rief die Schulzenfrau, und die andern Frauen wiederholten: „Keine Knöpfe!“

Hans Rumps sah seinen Rock an, auf dessen blanke Knöpfe er so stolz war: Tannenzapfen bammelten daran, von Knöpfen war nichts zu sehen. „Ich träume, ja, ja, das ist eben ein Traum,“ murmelte er, „natürlich, na freilich, ich träume!“

„Unsinn,“ rief die Schulzenfrau, „das ist kein Traum, das ist ein Schabernack, den die Buben Euch gespielt haben, Hans Rumps. Ganz sicher, die Buben sind's gewesen, denn das da ist unser alter Kaffeetopf, den ich erst vor ein paar Tagen fortgeworfen habe. Die Bütte gehört auch uns, na, und Schnipfelbäuerin, den Hampelmann müßt Ihr doch kennen.“

„Na ob,“ sagte die Schnipfelbäuerin, „der gehört meinen Kindern. So gewiß, wie ich die Schnipfelbäuerin aus Oberheudorf bin, so gewiß sind das die Buben gewesen, die dies angerichtet haben. Meint Ihr nicht auch, Muhme Lenelies?“

Die Muhme war als letzte herbeigekommen, sie nickte: „Freilich, freilich sieht das wie ein Bubenstreich aus, oder vielleicht sind's gar Heine Peterles Holzpantoffel gewesen!“

„Darum,“ murmelte Hans Rumps, „darum! Nä, so eine verflixte Bande!“ Und dann schrie er angstvoll: „Ach du meine Güte, nä, nun haben die ja wohl mein Horn und meine Knöpfe in den Teich geschmissen. So was, nä, so was! Ich bin ja gar kein Nachtwächter mehr, ich habe kein Horn, ich habe keine Knöpfe, ich habe keine Laterne! Ich beschwere mich, ich gehe zum Herrn Grafen, dem Gericht zeige ich es an, unserem Herzog sage ich es, ich, ich, ich –“

Hier ging Hans Rumps vorläufig die Luft aus, er sank wieder auf die Bank zurück und starrte die Frauen verzweifelt an. „Seht doch nach oben,“ sagte da auf einmal Muhme Lenelies mit leisem Lachen, und alle schauten empor in das Blättergewirr der Linde. Es sah aus, als hätte die gute, dicke Linde in der warmen Sommernacht durchaus ein Weihnachtsbaum werden wollen. Sie hatte sich allerlei aufhängen lassen: da baumelte eine Laterne, eine Mütze und ein Horn, und mit bunten Wollfäden waren einzeln die blanken Knöpfe vom Nachtwächterrock angebunden.

„Potztausend, das nenne ich einen guten Schlaf,“ rief die Schulzenfrau. „Da liegt der Nachtwächter und merkt nicht, daß ihm die bösen Buben seine Knöpfe abschneiden!“

„Ich soll geschlafen haben, ich – ich?“ stotterte Hans Rumps verlegen. Es schien ihm selbst sehr unglaublich, am liebsten hätte er sich gleich wieder auf die Bank gelegt und darüber nachgedacht, ob er wirklich geschlafen habe; da dies aber doch nicht anging, begann er, seine Sachen von der Linde herabzuholen. Er seufzte und stöhnte dabei jämmerlich und schalt ärgerlich vor sich hin, während die Frauen unter Lachen sich daran machten, ihre Wagen zu rüsten. Jeden Knopf sah Hans Rumps ängstlich darauf an, ob die Buben ihn auch nicht verdorben hatten, und immer dachte er: „Wenn es nur wenigstens niemand gemerkt hätte, dann wäre es ja weiter nicht schlimm. Ob die Frauen wohl davon still sind, wenn ich sie darum bitte?“ Er schleuderte ärgerlich den Kranz weit fort und stülpte sich seine Mütze auf. Nun hing nur noch sein Horn auf der Linde, sein geliebtes Horn. „Verflixte Buben, wie die auch klettern können,“ seufzte er und griff nach dem Horn. Heil und unversehrt kam es in seine Hände, er dachte aber doch: Vielleicht haben sie es verdorben und gar was hineingesteckt. Er setzte es an und blies hinein, so leise, daß er selbst nichts hörte. Er blies noch einmal, etwas stärker, ein Ton kam heraus, aber er meinte, der klänge gar nicht so wie sonst. Hans Rumps wurde es ganz unheimlich zumute, sein Horn war vielleicht kaput. Und auf sein Horn war er doch so stolz, ohne Horn war er doch gar kein richtiger Nachtwächter mehr, auf das Horn kam es doch an und nicht auf das dumme Wachbleiben.