„Was willst du denn von mir, mein Kind?“ fragte diese freundlich.
Heine Peterle stand auf, hielt seinen Eierkorb mit beiden Händen an seinen Leib gepreßt und stotterte: „Ich bin Heine Peterle aus“ – Da fiel ihm mitten in seiner Rede Schuster Pechdrahts Ermahnung ein, in der Stadt den Diener nicht zu vergessen, und flugs verneigte er sich, verneigte sich so tief, daß er ausrutschte. Platsch lag er, so kurz er war, auf dem Boden, der Eierkorb kam gerade unter sein Bäuchlein zu liegen, und eine gelbe Tunke rann über den hellen Teppich. „Himmel, was soll das?“ schrie die Dame händeringend, und auf ihr Geschrei eilten der Hausherr, die Tochter und die Magd herbei und schrien weh und ach, als sie den Heine Peterle in seiner Eiertunke auf dem Boden liegen sahen.
„Was ist denn das für ein Bengel?“ rief der Hausherr.
„Der schöne Teppich!“ klagten Frau und Magd, und das Töchterlein quiekte: „Mama, Papa, seht doch her, er hat auf den Sessel einen großen Fleck gemacht,“ und zeigte auf das helle Seidenpolster, das Spuren von Heine Peterles Kirschkuchen trug, auf dem er während der Fahrt gesessen hatte.
Dem Buben war es himmelangst. „Könnt' ich nur raus!“ dachte er. „Das ist ja gar nicht der Herr Vetter! Oh je, oh je, wie wird mir's gehen!“
Na, es ging noch glimpflich ab. Ein paar Maulschellen gab's, ein paar Ermahnungen, sich nie wieder blicken zu lassen, und dann saß Heine Peterle auf einmal draußen auf der Treppe neben seinem Kartoffelsack und heulte vor Hunger, vor Schmerz und Müdigkeit.
Oberheudorfer Buben- und Mädelgeschichten. [Seite 16.]
Einige Leute kamen herbei und fragten teilnahmsvoll nach seinem Kummer, und Heine Peterle erzählte, und als er sagte, einen „Mannsnamen“ sollte die Straße haben, da lachten sie alle, und eine Dame meinte freundlich: „Aber mein Kind, die Straße hier heißt Rosengartenstraße. Das ist doch kein Männername. Kann es vielleicht Friedrichstraße sein? Die ist hier in der Nähe.“