„Halt ein Mannsname ist's,“ meinte Heine Peterle kleinlaut.

„Ein Mannsname? Nein, so ein dummer Junge! Was denn für ein Mannsname? Kann's vielleicht Karlstraße sein?“

„Freilich, freilich, so heißt ja Schnipfelbauers Knecht!“ rief Heine Peterle.

„Na, dann geh mal rechts um die Ecke herum, dann links, dann die Straße hinunter, dann wieder rechts, dann bist du da. Verstanden?“

„Freilich,“ sagte Heine Peterle, nahm seufzend seinen Sack auf den Rücken, den Eierkorb in die Hand und trollte davon. Erst ging er links statt rechts, weil er ein Linkshänder war, dann ging er rechts, dann wieder links. Klipp, klapp, klipp, klapp! trappten seine Holzpantoffel auf dem Steinpflaster. Die Leute, die auf der Straße gingen, blieben stehen und schauten lächelnd dem Buben nach, dem die hellen Schweißtropfen über das runde, rote Gesicht liefen. Endlich meinte dieser, er sei nun oft genug links und rechts gegangen, und als er ein Haus mit einer Fünf fand, trat er ein. Im Hausflur kam ihm eine Frau entgegen, die fragte er: „Wohnt hier der Herr Vetter? Ich bin Heine Peterle aus Oberheudorf.“

„Ich kenne deinen Vetter nicht,“ entgegnete die Frau. „Geh mal eine Treppe hinauf, dort wohnt der Wirt.“

„Ei,“ dachte Heine Peterle, „ich wußte doch gar nicht, daß der Herr Vetter ein Wirtshaus hat. Aber ein feines Wirtshaus ist das!“ Keuchend kletterte er die Treppe hinauf. Oben war wieder so ein weißer Knopf, den der Bube mißtrauisch betrachtete; mit dem Ding ließ er sich nicht mehr ein, und kräftig schlug er mit der Faust an die Türe.

Scheltend öffnete eine Magd. „Warum machst du denn solchen Lärm und klingelst nicht?“

Heine Peterle wurde verlegen und stotterte sein Sprüchlein hervor. Die Magd sah ihn etwas verwundert an; weil sie aber noch nicht lange im Hause war, dachte sie, die Sache könnte wohl richtig sein, und führte den Buben in ein großes, helles Zimmer und hieß ihn warten. Der sah sich mit erstaunten Augen um. Hui, war es hier aber fein! So etwas Schönes hatte er in seinem Leben noch nicht gesehen. Bilder hingen an den Wänden, und die Stühle waren mit heller Seide bezogen und – beinahe wäre Heine Peterle hingefallen vor Schreck, da stand ja ein Bube, der gerade so aussah wie er selbst. Heine Peterle grinste verlegen und kratzte sich hinter den Ohren. Der Bube tat dies auch. Da merkte Heine Peterle erst, daß er in einen Spiegel sah. Es dauerte und dauerte, der Herr Vetter kam nicht. Heine Peterle war müde. Verlockend winkten die hellen Seidenstühle, und so leise er konnte mit seinen Holzpantoffeln, schlich er näher und setzte sich. Potztausend, saß sich das gut auf dem Polster! Gerade hatte er sich so recht bequem hingesetzt, da öffnete sich die Türe, und eine Dame trat ein und betrachtete Heine Peterle erstaunt von oben bis unten.

Der starrte die Dame, die ein langes, hellrotes Kleid trug, mit offenem Munde an. Ja, war das vielleicht gar eine Prinzessin? So fein sah sie aus.