Da stand nun Heine Peterle vor dem hohen Gitter und versuchte mit bange klopfendem Herzen die Türe zu öffnen, aber soviel er auch rüttelte, schüttelte und klopfte, die Tür ging nicht auf. Ein Herr, der gerade vorbeikam, lachte und rief: „Klingle doch, Junge!“
„Hm,“ sagte Heine Peterle, „'s ist ja keine Schelle da!“
„Drück nur auf den weißen Knopf dort,“ riet der Herr und ging weiter.
Und Heine Peterle folgte dem Rat und drückte auf den weißen Knopf, drückte und drückte, aber es wollte nicht klingeln, er drückte fester, aber er hörte nichts. Auf einmal aber kam ein Mann aus dem Hause gelaufen, der einen feinen, mit goldenen Tressen besetzten Rock trug. Als er Heine Peterle sah, schrie er zornig: „Infamer Bengel, warum klingelst du denn so stark?“
„Ich hör's doch nicht,“ sagte Heine Peterle und drückte ruhig weiter auf den Knopf. Aus dem Hause kam ein zweiter Mann gelaufen. „Aufhören, aufhören!“ schrie er und fuchtelte wild mit einem Stock in der Luft herum.
Verdutzt sah Heine Peterle ihn an. Er konnte nicht begreifen, daß er es nicht klingeln hörte. „Was willst du denn hier?“ herrschte der Mann mit dem Tressenrock ihn an.
„Ich bin Heine Peterle aus Oberheudorf und möchte den Herrn Vetter besuchen,“ stammelte der Bube.
„Dummer Bengel, hier wohnt der Herr Graf von Dippelskirchen und nicht dein Vetter. Mach, daß du weiter kommst!“
Die beiden Männer entfernten sich, und Heine Peterle stand ganz verdattert da. Auf einmal aber besann er sich und rief: „Herr Graf, Herr Graf, wo wohnt denn der Herr Vetter?“
Der eine der Männer kam einige Schritte zurück, sah den Buben an und lachte ein wenig. „Ja, weißt du denn die Straße nicht?“