„Bewahre, was ist das für ein Junge!“ schrie die Muhme, ihren zerbrochenen Topf betrachtend, und Schuster Pechdraht sagte lachend: „Na, dir wird es schon gut gehen in der Stadt! Auf Wiedersehen – heute abend!“
Da wurde Heine Peterle krebsrot vor Zorn über diesen Spott, und hochfahrend erwiderte er: „Gar nicht komme ich wieder! Ein Herr werde ich in der Stadt!“ Darauf nahm er Abschied von Vater, Mutter, Muhme, Knecht und Magd, kletterte zu Friede Hopserling auf den Wagen, und fort ging die Reise. Unterwegs erzählte er viel, was er alles in der Stadt werden wolle, Prinz wenn möglich oder mindestens General. Die Fahrt dauerte ziemlich lange. Heine Peterle wurde stiller und stiller, zuletzt schlief er ein und schlief, bis Friede Hopserling ihm einen derben Rippenstoß gab und rief: „Wir sind da!“
Weit riß der Bube seine Augen auf. Da war er ja wirklich in der Stadt! Rechts und links schaute er sich um, da waren Häuser, lauter Häuser, nichts wie Häuser. „Du, Friede Hopserling,“ fragte er, „warum sind denn hier so arg viel Häuser?“
„Na,“ gab der zur Antwort, „eben weil's eine Stadt ist. In welcher Straße wohnt denn der Herr Vetter?“
„In der – in der – der – in, halt ein Mannsname ist's,“ stotterte Heine Peterle verlegen, „und eine 5 hat's Haus, soviel Finger ich hab',“ und dabei hielt er eine seiner kleinen, braunen Hände dem Friede vor die Nase.
Der sann ein Weilchen nach, dann sagte er: „Hier ganz nahe gibt's eine Albertstraße, könnt's die wohl sein?“
„Freilich, freilich,“ rief Heine Peterle, „das ist ja ein Mannsname, der Schmied heißt ja so!“
Bald hielt der Wagen vor einem großen, weißen Hause mit einem sehr zierlichen Vorgarten, den ein reich verziertes eisernes Gitter von der Straße trennte. „Fein wohnt der Herr Vetter, das muß man sagen,“ meinte Friede Hopserling bewundernd und warf den Kartoffelsack vom Wagen. Heine Peterle nickte stolz, nahm seinen Eierkorb und sah sich nach dem Kirschkuchen um.
„Halt, hinten auf den Hosen klebt dir ja der Kuchen,“ rief Friede lachend. „Du Dösbartel, hast dich im Schlaf auf deinen Kuchen gesetzt!“
Beschämt legte Heine Peterle den zerquetschten Kuchen in eine Wagenecke und kletterte dann herab. „Laß dir's gut gehen, und wenn ich einmal wiederkomme, besuche ich dich. Adjüs, hüh hott!“ sagte Friede Hopserling und fuhr die Straße hinab.