„Heine Peterle!“ jammerte die alte Muhme Rese, und ein großer Bissen blieb ihr im Halse stecken, und Martin, der Knecht, mußte ihr erst tüchtig auf den Rücken klopfen, ehe sie wieder sprechen konnte.
„Zur Stadt?“ fragte der Vater und ließ die Gabel sinken.
„Ja,“ rief Heine Peterle keck, „ich mein', mir gefällt's dort besser als hier!“
„Heine Peterle!“ schrien nun auch Knecht und Magd.
„Halt den Mund, dummer Bub!“ sagte der Vater, da waren alle still.
Weil es aber dem Heine Peterle am andern Tage in der Schule wieder schlecht ging, begann er bei Tisch von neuem: „Ich möcht' zur Stadt zum Herrn Vetter!“
Diesmal sagte niemand etwas, nur der Vater brummte: „Meinetwegen geh in die Stadt!“
Und nach drei Tagen durfte Heine Peterle wirklich in die Stadt fahren. Friede Hopserling, der Müllerknecht, der Mehl zur Stadt bringen mußte, meinte, er wolle den Buben gern mitnehmen, früh um drei Uhr solle die Fahrt beginnen.
Und Heine Peterle stand zur rechten Zeit in seinem Sonntagsanzug vor der Haustür. Es war zwar ein recht warmer Sommermorgen, aber er hatte doch seine runde Pelzkappe aufgesetzt, die er besonders schön fand. Seine Mutter hatte ihm noch einen dicken, hellgrünen Schal um den Hals gebunden. Weil seine Stiefel gerade zerrissen waren, mußte er in Holzpantoffeln gehen, aber Muhme Rese hatte gemeint, das schade nichts, weil er so wunderschöne, hellrote Strümpfe trage. Die Mutter brachte einen großen Sack Kartoffeln und ein Körbchen voll Eier für den Herrn Vetter, ihrem Buben aber gab sie noch ein tüchtiges Stück Kirschkuchen mit auf den Weg. Schuster Pechdraht kam aus seinem Hause, und als er Heine Peterle so ausgerüstet stehen sah, fragte er: „Kannst du auch einen Diener machen? Das ist in der Stadt die Hauptsache!“
„Freilich kann ich das,“ rief Heine Peterle geringschätzig und verneigte sich so schnell und so tief, daß er dabei Muhme Rese den Kaffeetopf aus der Hand stieß und seine Pelzmütze bis auf die Dorfstraße kugelte.