Wie es Heine Peterle in der Stadt erging.
In Oberheudorf kennt wohl jeder den Heine Peterle, selbst die Pferde, Kühe, Schafe und Hunde kennen ihn, auch die Gänse, Hühner und Enten auf der Dorfstraße, sogar Leinwebers lahme Ziege. Kommt der Bube pfeifend die Straße entlang, die Hände in den Hosentaschen, die kleine, dicke Stupsnase keck in die Luft gereckt, mit seinen Holzpantoffeln klappernd wie die Wassermühle im Tal, dann sagt gewiß der oder jener: „Aha, da kommt Heine Peterle, der Städter!“ Und Schuster Pechdraht, der ein Spaßmacher ist, der zwinkert mit den Augen und ruft: „Heine Peterle, du, morgen fahre ich zur Stadt, magst mit?“
Hei, da wird Heine Peterle rot wie die Glaskirschen im Pfarrgarten, und patzig begehrt er auf: „Mag net!“ und dann läuft er davon, so schnell er nur kann, und seine Holzpantoffel klappern, daß man es im letzten Haus des Dorfes noch hört.
Mit Heine Peterle und der Stadt ist das nämlich eine eigene Sache, und fuchsteufelswild kann der Bube werden, wenn seine Kameraden ihn spottend den „Städter“ nennen.
Lange ist es noch nicht her, da gefiel es auf einmal dem Heine Peterle nicht mehr zu Hause. Im Frühjahr war ein Vetter der Mutter aus der Stadt zu Besuch dagewesen. Der hatte viel erzählt, wie schön es in der Stadt sei, und beim Abschied hatte er Heine Peterle eingeladen, ihn einmal zu besuchen. Seitdem dachte der Bube viel an die Stadt, manchmal sogar in der Schule, und gerade mußte ihn dann der Lehrer nach etwas fragen, was Heine Peterle natürlich nicht wußte, und dann tanzte der Stock des Herrn Lehrers mitunter recht unsanft auf seinem Rücken herum.
Einmal war es ihm nun in der Schule wieder recht schlecht gegangen. Darum sagte er beim Mittagessen, als ihm die Mutter gerade den fünften Speckkloß auf den Teller legte: „Ich möcht' zur Stadt!“
„Heine Peterle!“ schrie die Mutter und ließ vor Schreck den Kloß fallen.