Das Trommelfell war geplatzt, und der arme Friede steckte in der Trommel wie eine Maus in der Falle. Zwei Bauern zogen ihn heraus, weil er aber so heftig auf den Kopf gefallen war, dauerte es eine ganze Weile, ehe er auf alle Fragen, die man an ihn richtete, antworten konnte. Er stöhnte nur immer: „Das verflixte Ständchen!“

Niedergeschlagen kamen die Buben aus ihren Ecken heraus und umstanden mit kläglichen Mienen ihren Kapellmeister. Streng fragte der Schulze nach der Ursache der sonderbaren Musik, und der Lehrer, der auch herbeigekommen war, schüttelte erst ernsthaft den Kopf. „Ihr seid doch heillose Buben!“ sagte er seufzend.

Da faßte sich Schnipfelbauers Fritz ein Herz und erzählte die ganze Geschichte, und als er fertig war, rief Friede Hopserling: „Fein wär's schon geworden, 's klang zu scheene!“

Der Lehrer fing auf einmal an zu lachen, er lachte so herzlich, wie ihn seine Buben noch niemals hatten lachen sehen, und sie hielten es für das vergnüglichste mitzulachen. Auch der Schulze lachte und alle andern Leute; selbst der Gedanke an die zerstörte Trommel konnte die Heiterkeit nicht trüben. Die Buben nahmen ihre Instrumente, einige schleppten die Trommel, und so zogen alle in das Dorf zurück.

Hans Rumpf, der draußen gewartet hatte, schrie, als er die Geschichte erfuhr, hurra! und sagte nachher: „Wenn es doch Feinde gewesen wären, so hätte ich sie alle allein verjagt, ganz gewiß, das hätte ich getan!“ Es glaubte ihm aber leider niemand.

Der Herr Lehrer ging nach Hause und erzählte seiner Frau die Geschichte, und die Frau Lehrer lachte und sagte: „Gut sind sie halt doch die Buben, wenn's auch manchmal verkehrt herauskommt!“

„Ja, gut sind sie halt doch,“ murmelte der Herr Lehrer und ging in sein Arbeitszimmer. Da brannte schon die Lampe auf dem Schreibtisch, aber draußen war es noch ziemlich hell. Sinnend sah der Herr Lehrer in die Dämmerung hinaus; er konnte noch wie eine dunkle Wand den Wald sehen, und darüber stand blaß und licht der Himmel. Frei und schön war der Blick von dem Fenster aus, und der Herr Lehrer dachte plötzlich an die hohen, grauen Häuser der Stadt. Wie gut gefiel es ihm doch eigentlich in Oberheudorf, alles darin – auch die Kinder! Plötzlich mußte der Herr Lehrer lachen, so herzlich wie in der Scheune, und diesmal lachte er über sich selbst. Er wußte es mit einem Male, die Kinder gefielen ihm am allerbesten. „Sie sind halt gut, wenn's auch mal verkehrt rauskommt,“ sagte er wie seine Frau. Er stand auf und ging zu dieser, und dann sprachen beide ernst und fröhlich zusammen und sagten zuletzt: „So soll es sein!“ –

Als der Herr Lehrer am andern Morgen die Schule betrat, staunten die Kinder ihn alle an. Er machte ein so frohes Gesicht, als hätte er sich flugs etwas mit dem blanken Sonnenschein eingerieben, der ganz Oberheudorf überstrahlte. Der Herr Lehrer klappte auch nicht wie sonst sein Buch auf und sagte: „Wir wollen beginnen!“ sondern stellte sich vor die Kinder hin und sah sie prüfend an. „Kinder,“ fragte er, „seid ihr wirklich traurig, wenn ich fortgehe?“

Da blieben alle stumm, und all die blonden und schwarzen Kinderköpfe senkten sich traurig.

Das Gesicht des Lehrers wurde noch fröhlicher, und er fragte weiter: „Kinder, soll ich lieber bei euch bleiben? Wollt ihr mich behalten?“