„Ich weiß, wo's lärmt,“ schrie Annchen Amsee plötzlich, die atemlos angelaufen kam und ihre Schürze wie eine Siegesfahne schwenkte. „In des Müllers Scheune ist's, man hört es von draußen.“

Die Scheune des Müllers lag am Eingang des Dorfes; sie war alt und baufällig und sollte bald abgerissen werden. Dach und Gemäuer hatten so viele Löcher wie ein Schweizerkäse, sie wurde darum auch nicht benutzt. Je näher die Dorfbewohner der Scheune kamen, desto lauter wurde das Getöse. Zuletzt meinten alle, einen so erschrecklichen Lärm hätten sie noch nie gehört.

„Das sind gewiß Zigeuner,“ schrie der Schulze wütend, Hans Rumps, der Nachtwächter, aber seufzte: „Feinde sind's, nu gibt's Krieg!“ Und weil er nicht die geringste Sehnsucht nach diesen Feinden hatte, blieb er vorsichtig etwas zurück, um ja so schnell wie möglich ausreißen zu können.

Der Schulze aber war nicht so zaghaft. Tapfer schritt er auf die Scheune zu und riß so heftig die Türe auf, daß diese gleich aus den Angeln fiel und beinahe auf den Schulzen gefallen wäre.

„Bumbum, traratrara, dudeldududldi, dudeldudeldei!“ so tönte es den Eintretenden entgegen, die ganz verdutzt stehen blieben.

Auf einer Tonne inmitten der Scheune stand Friede Hopserling und fuchtelte mit einem Stock so wild in der Luft herum, als säße er mitten in einem Schwarm Wespen, die ihn alle stechen wollten. Um Friede herum aber standen die Oberheudorfer Buben und trompeteten, geigten, trommelten und sangen, was sie nur konnten, und es war ein solches Getöse, als sollten die Scheunenmauern umgeblasen werden wie einst die Mauern von Jericho.

„Alle Wetter, was ist das?“ schrie der Schulze.

Doch niemand hörte ihn. Die andern Dorfbewohner kamen ihrem Schulzen in die Scheune nach, und alle starrten verblüfft auf die eifrigen Musikanten. Die drehten dem Eingange den Rücken zu und sahen die unerwarteten Zuschauer nicht, nur Friede Hopserling erblickte plötzlich den Schulzen und die andern Leute.

Als sähe er Gespenster, so starrte er sie eine Weile an, dann sprang er plötzlich mit einem kühnen Satz von seiner Tonne herunter und – bumbum, gab es einen fürchterlichen Krach. Es tönte dumpf und schauerlich, und sämtliche Buben brachen in ein wildes Angstgeheul aus und flüchteten sich in die Ecken.

Die Dorfleute aber sahen voll Entsetzen zwei in blauen Hosen steckende Beine in der Luft herumzappeln – Friede Hopserling war in die große Trommel gefallen.