Da klopfte es wieder an der Tür, und herein kamen Schulzens Jakob und seine Schwester Röse. Sie riefen schon an der Türe: „Kommt doch nur schnell, sonst wird es zu spät!“

„Sie heult,“ riefen Annchen Amsee und der dicke Friede und deuteten auf Mariandel, die immer lauter weinte.

„Was fehlt dir denn?“ riefen die vier Kinder, und Annchen setzte sich neben die Freundin auf die Bank und tröstete sie so freundlich, daß Mariandel endlich sprechen konnte. „Ich – ich ha–habe ein Loch im Kleid!“ jammerte sie.

„Wo denn?“ fragten die andern Kinder mitleidig.

„Zeig doch her!“ rief Annchen Amsee. „Vielleicht kann es Muhme Lenelis stopfen.“

Mariandel schüttelte traurig den Kopf. „Das geht nicht mehr!“ Sie stand auf und zeigte den Freunden ihre Rückseite, und ein vierstimmiger Schreckensschrei ertönte.

„Das ist ja 'n Loch wie 'n Teller!“ schrie Annchen Amsee und schlug die Hände zusammen.

„Wie haste denn das gemacht?“ fragte der dicke Friede und setzte sich vor lauter Erstaunen und Verwunderung auf einen Stuhl. Da erzählte denn Mariandel, immer von Schluchzen unterbrochen, wie das Unglück geschehen sei. Am Ofen hatte sie sich das Kleidchen verbrannt, als sie für den Vater Kaffee wärmen wollte; beinahe wäre das ganze Mariandel dabei in Flammen aufgegangen.

„Uh je,“ rief Schulzens Jakob entsetzt, „sieh mal nach, vielleicht brennst du noch!“

„Nein,“ sagte Mariandel, „jetzt brenn' ich nicht mehr, aber ich – ich hab' doch – kein – Kleid – zur Feier!“ Sie brach von neuem in heftiges Weinen aus, und die andern Kinder sahen sich ratlos an. Kein gutes Kleid zur Feier zu haben, wo doch die Niederheudorfer dazukamen, das war schrecklich. Der Waldbauer war kein wohlhabender Mann, und viel Geld durfte nicht im Hause ausgegeben werden, Mariandel hatte daher nur ein altes Schulröckchen und ein Sonntagskleidchen. Als die Kleine daran dachte, wie betrübt die Mutter sein würde, wenn sie das verbrannte Kleidchen sah, wurde ihr Weinen noch schmerzlicher.