„Ich weiß was!“ rief Annchen Amsee freudig. „Du drehst deinen Rock um, da kommt das Loch nach vorn, und du bindest dir eine Schürze über, dann sieht es niemand.“

„Das ist fein!“ sagte der dicke Friede und sah seine Freundin bewundernd an.

Mariandel hob das verweinte Gesichtel empor. „Ich kann doch nicht mit einer Schürze zur Feier gehen, so geht doch niemand!“

Das war wahr. Zur Weihnachtsfeier trugen die Mädel nie Schürzen. Was war da zu machen?

Annchen Amsee stürzte plötzlich auf Schulzens Röse los und tuschelte dieser geheimnisvoll etwas ins Ohr. Und Röse nickte und tuschelte wieder, und nach einem Weilchen sagte Annchen: „Röse und ich binden auch Schürzen um, dann sind wir drei, und wer uns auslacht, den müssen die Jungen verhauen, daß ihm das Lachen vergeht.“

„Bravo!“ schrien Friede und Jakob begeistert, und Mariandels Gesicht hellte sich auf, doch nur einen Augenblick; gleich wurde sie wieder betrübt und klagte: „Ja, aber das Loch bleibt doch!“

„Ach laß nur!“ sagte Annchen Amsee. „Muhme Lenelis wird nachher schon helfen. Spute dich nur! Wir helfen dir. Die Jungen laufen rasch und holen uns Schürzen.“

Damit erklärten sich die Buben einverstanden, und während Mariandel ihr Röckchen umdrehte, rasten die beiden davon, um die Schürzen zu holen. Unterwegs trafen sie Heine Peterle, dem sie die Geschichte erzählten, und Heine Peterle sagte gleich: „Ich haue mit, wenn einer lacht.“

Die Schürze verdeckte wirklich das tellergroße Loch, und Mariandel ging ganz vergnügt zwischen Annchen und Röse in die Schule. Friede, Jakob und Heine Peterle gingen feierlich hinter ihnen her, und jedesmal, wenn sie jemand begegneten, riefen sie laut: „Fein sehen die Mädel aus mit den Schürzen!“

In der Schule guckten alle Kinder, als die drei mit ihren weißen Schürzen daherkamen. Die Frau Lehrer, die am Eingang stand, lobte: „Ei, wie sauber ihr drei ausseht, das gefällt mir!“