Niemand lachte, so drohend sich auch die Buben umsahen, und diese waren beinahe ein bißchen ärgerlich darüber. Aber es war doch besser so, denn eine Weihnachtsfeier und eine Prügelei passen nun einmal nicht zusammen. Die Kinder vergaßen auch rasch alle streitlustigen Gedanken, als sie die festlich geschmückten Schulzimmer betraten. Da standen zwei große Tannenbäume, an denen unzählige Kerzen brannten. Dazwischen war eine Krippe aufgestellt, und ein rotes Lämpchen erhellte den Stall, in dem das Jesuskind in der Krippe lag. Jubelhell erklangen die lieben, alten Weihnachtslieder, und dann gab es auch eine Bescherung.

Jedes Kind erhielt ein kleines Buch oder ein Bild, dazu bekam jedes noch ein großes, rotes Pfefferkuchenherz. Die Gräfin Dachhausen schickte alljährlich Bücher, Bilder und Pfefferkuchenherzen für die Kinder, und die schöne Krippe hatte sie auch einmal geschenkt.

Muhme Lenelis war auch in der Feier gewesen, und gleich nach dem Schluß liefen Röse, Annchen und Mariandel zu ihr und zeigten ihr das verbrannte Kleid. Tellergroße Löcher konnte Muhme Lenelis aber nicht stopfen, so gern sie es auch getan hätte. Sie meinte, da müßte die Bechern, das war die Dorfschneiderin, ein großes Stück Stoff einsetzen. Die Mädel sahen sich betrübt an. Die Schneiderin war nicht sehr freundlich zu den Kindern. Zerrissene Kleider mochte sie gar nicht leiden, und am Tag vor Weihnachten hatte sie immer so viel zu tun, daß sie sicher erst recht nicht helfen würde.

„Dann mußt du eben in den Feiertagen immer eine Schürze vorbinden, auch in der Kirche. Röse und ich binden auch wieder eine um, und die Jungens müssen aufpassen, daß niemand lacht.“

Mariandel seufzte schwer, aber es half doch nichts, sie dachte nur immer: „Wenn ich's nur erst der Mutter gesagt hätte!“

Annchen Amsee hatte ein gutes, hilfsbereites Herzchen, und die Freundin tat ihr leid. Sie stand mit Röse und den drei Buben noch eine Weile auf der Dorfstraße, und alle fünf überlegten, wie sie helfen könnten.

„Aber jetzt weiß ich was!“ sagte der dicke Friede stolz. „Meine Pate in Niederheudorf ist auch Schneiderin, die macht sicher das Kleid, die sagt immer ja, wenn ich was haben will.“

„Wir gehen nach Niederheudorf und tragen den Rock hin,“ rief Heine Peterle.

„Ganz heimlich,“ schrie Schulzens Jakob, und seine Schwester hielt ihm erschrocken den Mund zu und flüsterte: „Schrei doch nicht so, sonst hört es jemand!“

„Ja, ganz heimlich, auch Mariandel darf nichts merken,“ sagten die andern.