„Na, es kommt darauf an, was für Heimlichkeiten es sind,“ sagte die Pate. Aber sie schalt nicht weiter, sondern holte einen großen Topf Kaffee, der in der Röhre des grünen Kachelofens stand, schnitt für jedes Kind ein tüchtiges Stück Festkuchen ab und bewirtete so die unerwarteten Gäste.
Das schmeckte! Die Kinder wurden immer vergnügter, sie lachten und plapperten so viel, daß die Pate bei sich dachte: „Es ist gerade, als wäre heute schon Weihnachten bei mir.“ Sie hatte das Röckchen angesehen und versprach, es bis morgen früh zu nähen; so gut sollte es werden, daß niemand den Schaden mehr sehen sollte.
Es war schon gegen zehn Uhr, als die Kinder endlich aufbrachen. In Niederheudorf schliefen schon alle Menschen, denn auf dem Lande geht man zeitig zu Bett. Die alte Frau ermahnte die Kinder noch, so schnell wie möglich nach Hause zu laufen. „Wartet nur, wenn euch Hans Rumps erwischt!“ drohte sie. Doch vor dem hatten die Buben und Mädel keine Angst. Selbst Röse war nicht ein bißchen graulich mehr, und vergnügt trollten die fünf von dannen.
Als sie aus Niederheudorf hinaus waren, sangen sie mit hellen Stimmen: „O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit!“ Wieder, wie auf dem Hinweg, kamen sie am Forsthaus vorbei, das am Waldrande lag. Wie eine dunkle, hohe Mauer lag der Wald hinter dem Hause, und vor dem Walde dehnten sich weit die verschneiten Felder.
Plötzlich blieb Röse stehen und faßte Annchen Amsee an der Hand. „Da, dort oben,“ flüsterte sie angstvoll, „was ist denn das?“
Unwillkürlich waren alle Kinder stehen geblieben und sahen nach dem Forsthaus, auf das Röse zeigte.
Die Fenster waren nicht mehr hell, alles war dunkel und still. Über dem Hause aber stand gegen den hellen Nachthimmel eine schwere, schwarze Wolke, und aus dieser Wolke stieg kerzengerade eine kleine Flamme zum Himmel empor.
Die Kinder standen wie erstarrt. Und die Flamme wuchs und wurde zusehends breiter.
„Es brennt!“ rief Annchen Amsee zitternd. Keines der Kinder wagte sich zu rühren, wie gebannt sahen sie auf die züngelnde Flamme über dem Haus.
Der dicke Friede, der nie leicht die Fassung verlor, war der erste, der zu sich kam. „Wir müssen es sagen,“ schrie er und rannte nach dem Hause hin.