„Die neue Spritze,“ riefen der Lehrer und die Kinder ahnungsvoll, „sie probieren“ – – schiiih kam ein dritter Strahl und überschwemmte das Schulzimmer so gründlich, daß sich der Herr Schulrat auf das Katheder flüchten mußte, während die Kinder auf Tische und Bänke kletterten. Der Herr Lehrer aber rannte hinaus, und flugs folgten ihm einige Buben. Draußen auf dem freien Platz vor dem Schulhaus stand die neue Feuerspritze, und mehrere Bauern arbeiteten aufgeregt an ihr herum. Aufgedreht war die Spritze, aber zudrehen konnte sie niemand, und da sie außerdem mit einem Rad in ein tiefes Loch geraten war, konnte sie nicht einmal zur Seite gefahren werden. – Schiiih, schiiih, schoß das Wasser ins Schulzimmer hinein, und triefend, weinend und lachend, wie Fröschlein im Sumpfe hopsend, flohen die Schulkinder.
„Jetzt hab' ich's,“ rief der dicke Bäckermeister und drehte mit einem Ruck die Spritze zu.
Und der Schulze, der vor Aufregung rot geworden war wie ein Ziegeldach, sagte: „Ach, ach, Herr Lehrer, mir scheint, 's ist Wasser ins Schulzimmer gekommen!“
„Na, mir scheint auch,“ riefen der Schulrat und der Lehrer wie aus einem Munde; sie trieften alle beide, als hätten sie in einer Badewanne gelegen.
„Huhuhu, ich bin naß,“ heulte Mariele, und „Huhuhu, ich auch, ich auch,“ schrien einige andere Kinder.
„Geht doch nach Hause, Kinder,“ rief der Herr Schulrat, „mit der Schule ist es jetzt doch nichts!“
Das war ein Wort! Einige Kinder quiekten vor Freude, und Buben und Mädel vergaßen auf einmal ihre nassen Kleider so vollständig, daß sie gar nicht daran dachten, nach Hause zu gehen. Wie eine Mauer standen sie um die neue Spritze herum, während der Schulrat und der Lehrer in das Haus gingen. Der Schulze ärgerte sich zwar sehr über das neugierige Kindervolk, aber was half es? Die Kinder waren da und blieben da, soviel er auch darüber brummte.
Die Schulstube sah aus wie ein See, einzelne Hefte, die bei der hastigen Flucht zu Boden gefallen waren, schwammen wie blaue Fische im Wasser. Ein Glück war es, wie Anton Friedlich sagte, daß das Wasser auch in die Nebenstube gelaufen war, es konnte auch darin am Nachmittag keine Stunde abgehalten werden. Also hatten die Oberheudorfer Kinder wieder einen schulfreien Tag, was sie ungemein vergnüglich fanden. Der Herr Schulrat war liebenswürdig genug, über die Spritzengeschichte mehr zu lachen als sich zu ärgern. Er blieb im Pfarrhause als Gast, und am nächsten Tag hielt er die Schulprüfung ab, die ohne jeden Zwischenfall verlief. Und um die Wahrheit zu sagen, die Kinder wußten mehr, als der Schulrat erwartet hatte. Schulzens Jakob behauptete zwar kühnlich, es gebe sieben Erdteile, und Bäckermeisters Mariele sagte, China sei eine Provinz von Deutschland, auch verwechselte sie die Mark Brandenburg mit Afrika, und Heine Peterle versicherte, 10 × 7 sei 90 und die Hälfte von 100 sei 200: na, aber das schadete weiter nichts, – so etwas kann schon vorkommen.