Annchen Amsee, Tischlers Liese, Schulzens Röse, die nicht faul wie ihr Bruder Jakob, sondern sehr eifrig in der Schule war, und des Waldbauers Mariandel waren die vier Auserwählten. Sie sagten, wo sie gingen und standen, ihre Verschen her, und als Waldbauers Mariandel einmal Kaffee und Spiritus holen sollte, sagte sie zu dem Krämer. „Wir grüßen dich, erlauchter Fürst!“ Und der Krämer dachte nichts anderes, als das Mariandel habe seinen Verstand verloren.
In Oberheudorf vertrugen sich die Buben und Mädel sonst immer recht gut miteinander. Sie zankten sich mal und pufften sich auch hin und wieder, aber dann spielten sie auch wieder miteinander und vollführten in der allerschönsten Eintracht die allerdümmsten Streiche. Seit aber die Frau Gräfin die vier Mädchen zum Empfang des Fürsten erwählt hatte, waren die Buben wütend auf die Mädel, und die faulsten und unnützesten waren am ärgerlichsten. „Nur Mädels,“ sagte Schnipfelbauers Fritz entrüstet, obgleich er doch sicher nicht ausgewählt worden wäre, selbst wenn die Frau Gräfin auch Buben genommen hätte.
„Und unsere Röse ist ein Jahr jünger als ich,“ rief Schulzens Jakob empört.
„Es ist frech von ihnen,“ schrien Anton Friedlich und Heine Peterle. Als ihnen aber Annchen Amsee am gleichen Tage eine Zuckerstange gab, die noch von ihrem Geburtstag stammte, da nahmen sie die Stange und aßen sie auf, aber böse waren sie darum doch. Aber aller Ärger half ihnen nichts: die vier Mädel waren zum Empfang eingeladen und blieben es, mochten die Buben brummen, soviel sie wollten.
Der Festtag kam heran. Erst hatten alle Oberheudorfer zugleich mit den vier Mädeln nach dem Schlosse ziehen wollen, um den Empfang zu sehen. Der Herzog jedoch liebte zu große Empfänge nicht, und darum hatte der Graf die Dorfbewohner bitten lassen, sie sollten erst am Abend kommen; es solle ein wundervolles Feuerwerk abgebrannt werden, und dazu könne jeder kommen, der Lust habe. Der Herzog, der mit seinem eigenen Wagen von seinem einige Stunden entfernten Jagdschloß Adlershorst kam, wurde am Nachmittag erwartet. Um Mittag traten daher, gefolgt von dem halben Dorf, die vier kleinen Ehrenjungfern ihren Weg nach dem Schlosse an. Bis zum Ende des Dorfes wurde ihnen das Geleit gegeben, dann ließ man sie mit vielen guten Wünschen und Ermahnungen ziehen, und die andern kehrten alle heim, um später den gleichen Weg zu wandern.
Die vier Mädel aber zogen stolz in ihren hübschen Gewändern fürbaß. Sie hatten bunte Röckchen, schwarze Mieder und schneeweiße, mit Spitzen besetzte Hemden an. Die schwarzen Hauben, die sie trugen, waren sehr reich mit schönen farbigen Bändern geschmückt. Weiße, feingefaltete Schürzen, weiße Strümpfe mit roten Zwickeln und blitzblanke, schwarze Schnallenschuhe gehörten noch zu dem Anzug. Es war eine Pracht, die vier anzuschauen, und sie gingen auch so steif und vorsichtig einher, wie die Puthähne Kaspars auf dem Berge, aber freilich so eingebildet und wütend wie diese waren die vier Mädel nicht.
Ein Stückchen waren Annchen, Liese, Rose und Mariandel auf der Landstraße dahingezogen, als plötzlich aus einem Graben am Wege vier Buben kletterten.
Die Mädel schrien laut auf vor Schreck, aber dann erkannten sie ihre Schulgefährten Anton Friedlich, Schnipfelbauers Fritz, Heine Peterle und Schulzens Jakob, die alle vier wie aus einem Munde riefen: „Aber ihr seid fein, uh je!“
Die Mädchen glaubten nicht anders, als die Bewunderung sei echt. Sie nickten vergnügt und zupften an ihren Bändern herum, und Annchen Amsee fragte freundlich: „Wollt ihr uns begleiten?“
„Freilich, freilich!“ rief Heine Peterle, und Schnipfelbauers Fritz meinte verschmitzt: „Grad' dazu sind wir ja gekommen!“