Niedergeschlagen dachten sie an die vier Mädel auf der Landstraße. Durch den Wald trauten sie sich nicht wieder, und so blieb ihnen nichts weiter übrig, als nach dem Dorf zurückzukehren und von dort aus auf die Landstraße zu gelangen. Die Nähe des Dorfes aber war gefährlich; leicht konnten sie mit den Schuhen gesehen werden. Und verbergen ließen sich die Schuhe zu schlecht. Anton Friedlich versuchte sie in die Tasche zu stecken, als er aber einen mit Not und Mühe hineingezwängt hatte, platzte die Tasche. „Die dummen Mädel!“ schrie er wütend, als ob diese seine Tasche zerrissen hätten, und seine Gefährten stöhnten: „Hätten wir sie nur gehen lassen!“
Sie gelangten jedoch glücklich am Dorf vorbei und rasten dann die Landstraße entlang, aber soviel sie auch riefen und spähten, von den Mädeln war keine Spur mehr zu sehen. Sie rannten beinahe bis ans Schloß, aber nirgends erblickten sie die bunten Röcke ihrer Schulgefährtinnen. Recht kleinlaut kehrten sie um. „Die dummen Trinen sind heimgegangen,“ rief Anton Friedlich zornig.
„Und haben uns verklatscht!“ stöhnte Fritz dumpf.
„Meine Mutter haut mich,“ jammerte Heine Peterle kleinlaut.
„Mein Vater auch,“ ächzte Jakob.
Auf der Landstraße konnten sie nicht bleiben, nach Hause trauten sie sich nicht, so beschlossen sie, sich in einem Schuppen zu verstecken, der Jakobs Vater gehörte. Dort wollten sie warten, bis die Dorfbewohner nach dem Schloß gezogen waren, und dann ganz heimlich nach Hause gehen. Es war zu trostlos! Das schöne Feuerwerk, auf das sie sich so gefreut hatten, entging ihnen nun, und hungrig wurden sie mit der Zeit auch. Sie seufzten jämmerlich und schlichen, als es dunkel geworden war, sehr bedrückt heim. Im Dorf waren nur wenige Leute geblieben, meist nur die Alten, die lieber an dem lauen Frühlingsabend ruhig in den kleinen Gärten saßen, statt den weiten Weg bis zum Schlosse zu gehen. So gelang es den vier Missetätern leicht, in die Häuser zu schlüpfen, nachdem sie die Schuhe noch heimlich jeder Besitzerin vor die Türe gestellt hatten.
Annchen, Liese, Röse und Mariandel hatten unterdessen einen vergnügten Nachmittag gehabt, und die Dorfleute hatten sich alle über das prachtvolle Feuerwerk gefreut und dazwischen auf die vier unnützen Buben geschimpft, denn natürlich hatten alle die Geschichte von den Schuhen erfahren. Der Schulze sagte, es sei eine Schande, daß der Landesherr barfuß begrüßt worden wäre. Na, sein Jakob sollte sehen! Ähnliches sagten die andern Väter und Mütter auch. Die vier Mädel aber waren so lustig auch ohne Schuhe, daß sie himmelhoch für die Buben baten, aber der Schulze sagte, Haue müßten sie kriegen, weil sie Oberheudorf blamiert hätten.
Daß die Buben Haue bekommen sollten, tat aber den Mädeln herzlich leid. Besonders Röse wurde ganz traurig darüber, und sie war es auch, die den Freundinnen vorschlug: „Wir wollen den Herrn Herzog bitten, daß er die Haue verbietet!“
„Röse!“ schrien die drei Jüngferchen fast entsetzt, denn der Plan ihrer Kameradin erschien ihnen gar zu kühn.
Aber Röse blieb dabei. „Ich sag's, ihr müßt aber dann auch bitten!“ Das versprachen die drei zwar, aber recht bange war ihnen doch zumute, als sie alle ins Schloß zogen und Röse herzhaft zu einem Diener sagte, sie wollten dem Herrn Herzog eine gute Nacht wünschen.