„Die Roggenmuhme hat ihn gehabt, sie hat ihn mit fortgeschleppt,“ riefen alle zusammen.

„Ich will rein, Großmutter,“ bat Jakob ängstlich, und die alte Frau nahm ihn an der Hand und zog ihn ins Haus und klappte seinen Kameraden die Tür vor der Nase zu. Drinnen erzählte der Bube kleinlaut sein Abenteuer, und die Großmutter lachte, aber nur ein wenig, denn nach echter Großmutterweise hatte sie gleich Mitleid mit dem Jungen und versuchte ihn zu trösten. Zu diesem Zweck gab sie ihm ein dickes Honigbrot, das, wie man zu sagen pflegt, Jakob wieder etwas auf die Beine brachte.

Unterdessen war das Bäuerlein nach Oberheudorf gekommen und erzählte im Wirtshaus schmunzelnd Jakobs Abenteuer. So erfuhr das ganze Dorf die Geschichte, und alle lachten darüber. Man lachte noch lange, und Jakob wurde zu seinem Ärger noch recht oft zugerufen, wenn ihm ein Schweinchen in den Weg lief: „Gib acht, da kommt die Roggenmuhme!“

Das besinnliche Trinchen.

Wenn mitten unter lustigen Geschichten eine ernsthafte steht, so ist das so, als wenn sich zwischen lauter sonnige Frühlingstage ein grauer Regentag schiebt. Den lieben langen Tag will es dann nicht hell werden, und alle Freude scheint auf einmal verschwunden, bis sich, vielleicht gegen Abend, der Himmel aufhellt und zarte Rosenwölkchen zeigen, daß sicherlich am andern Tag die Sonne wieder herauskommen wird.

Unter all den fröhlichen Oberheudorfer Buben und Mädeln ging des Wassermüllers Trinchen immer still und traurig einher. Immer saß es ein wenig abseits, immer ging es allein von der Schule heim, und wenn die andern spielten, dann sah das Trinchen von ferne zu. Die andern Kinder nannten Trinchen darum „hochmütig“, denn Trinchens Vater war ein reicher Mann, und sie meinten nicht anders, als das Trinchen sei eingebildet darauf. Schuster Pechdraht aber meinte, Trinchen besänne sich immer zu lange auf eine Antwort, bis dann die Zeit, eine zu geben, vorüber sei, und er nannte die Kleine manchmal scherzend „das besinnliche Trinchen“. Der Name blieb dem Kinde, und bald wurde die Kleine im ganzen Dorf so genannt.