Da saß sie denn und schrieb, und es sah aus, als hätten Krähen rechtsum, linksum auf dem Heft getanzt, denn so schwere Tränen saßen ihr in den Augen, daß sie kaum etwas sehen konnte.
Natürlich bekam sie auch wieder Schelte wegen der Schreiberei, und der Herr Lehrer sagte, sie müsse am Sonnabend nachmittags in die Strafstunde kommen. Das war eine schreckliche Schande! Trinchen meinte, sie müsse in den Boden sinken vor Scham.
Das Schlußgebet war gesprochen, und schon wollten alle heimgehen, als Schmieds Grete wichtig hervortrat und einen Groschen brachte, der für die Sparbüchse bestimmt war. Ihre Mutter hatte Geburtstag, da hatte sie ihr den Groschen gegeben. Das war ein Ereignis! Heine Peterle und der blaue Friede stürzten gleich in das andere Zimmer, um die Büchse zu holen, und kamen gleich darauf wieder mit dem Jammerruf: „Die Büchse ist nicht da!“
„Ach Unsinn,“ sagte der Herr Lehrer, „ich habe sie heute früh selbst gesehen; es wird etwas davorstehen. Ruhe, Kinder, rennt nicht so, nur drei dürfen nachsehen!“
Nach einigen Minuten kamen die drei Boten wieder und riefen klagend: „Sie ist nicht da!“
„Ich will selbst nachsehen,“ sagte der Herr Lehrer, „bleibt alle an euren Plätzen!“ Er ging, und nach wenigen Minuten kehrte er mit tiefernstem Gesicht zurück. „Die Büchse ist nicht da. Wer von euch war heute im Nebenzimmer?“
Einige meldeten sich, und Anton Friedlich sagte, er habe bestimmt die Büchse gesehen.
„Hat der Schrank offen gestanden, als ihr nachgesehen habt?“ fragte der Lehrer Heine Peterle und den blauen Friede.
„Ja, weit offen,“ riefen beide.
„Wer hat ihn offen gelassen?“